Chuck Norris war in den 80ern verantwortlich für so manchen Klopper und da war es, getreu den guten alten B-Movie-Actionfans relativ egal, ob es dabei nachvollziehbar, logisch, wahrscheinlich oder menschenverachtend zuging, Hauptsache es gab was auf die Fresse.
Neben geradezu abstrus übertriebenen Brechern wie „Invasion USA“ nimmt sich „Code of Silence“ geradezu wie eine Oase der Ruhe aus, ein Actionthriller, der Drogenkrimi, mafiöse Machtkämpfe und den Polizeikodex in geradezu atemberaubender Art und Weise für 100 Minuten mischt.
Norris gibt den natürlich aufrechten und kampf- wie munitionsstarken Bullen Eddie Cusack, den besten und sowieso ehrlichsten Bullen weit und breit, der natürlich (wie weilend Dirty Harry) nur Kumpels und Freunde hat, damit die Bösen sie meucheln können. Der Mann ist grob gestrickt und doch gefühlvoll und gnadenlos gegen jede Art von Verbrechen und davon gibt es in den 80ern jede Menge. Vor allem in Sachen Drogenkrieg, den hier die Mafia und eine Bande von Kolumbianern ausfechten und die dabei keine Verwandten machen.
Parallel dazu ist Eddie aber nicht so auf die Bösen fixiert, als das er den Guten alles durchgehen läßt – wenn jemand die Sicherheit der Bevölkerung durch mangelnde Fähigkeiten oder Motivation gefährdet, gibt es auch Saures für die Kollegen – und als er gegen einen scheinbar soliden Altbullen aussagt, weil dieser einen Unschuldigen erschossen und die Tat vertuscht hat, steht er natürlich baldigst per Irrtum alleine da. Aber das ist die natürlich Umgebung für jemandem, dem sowieso sämtliche personelle Anhängsel schnellstens abgeschossen werden.
„Cusack“ will viel, zu viel auf einmal möchte man sagen.
Für die inhaltlichen Dimensionen ist dieser B-Film einfach zu kurz und storytechnisch auch viel zu wenig ausgereift, letztendlich muß das Einzelgängermotiv mal wieder alles reißen.
Die Pole des Bösen sind so auch mehr grimmige, unmenschliche Chiffres, alte Mafiosi und ein wie üblich fies grinsender Henry Silva als kolumbianischer Drogenboss bilden die Antipoden. Und das alles spielt in einem grauen, regenverhangenen New York, das so feucht und dirty rüberkommt, wie der Herbst nur sein kann, mit unheimlichen Seitenstraßen und heruntergekommenen Hafenbezirken.
Interessanterweise darf der Held hier aber lange Zeit gar nicht so meucheln, wie es die Fieslinge verdient hätten, stattdessen zögert Cusack als standesgemäßer Beamter mit dem Fangschuß meistens und provoziert einige sehr schöne Stunts wie einen Kampf auf einem fahrenden U-Bahnzug, einen Sprung von einer Brücke oder eine brachiale Autoverfolgungsjagd, garniert natürlich mit reichlich Fressepolieren und Roundhousekicks.
Erst als ihm nichts mehr bleibt und die Kollegen die Hilfe aufkündigen, geht man schwerbewaffnet in die Höhle des Löwen und bringt nur einen an die Zähne bewaffneten Polizeiroboter mit sich, der alle die „Schweine“ in die Luft blastert, die man mit der Pumpgun nicht so schnell erledigen kann.
So ist „Code of Silence“ einer der solidesten Beiträge von Chuck Norris, aber auch einer der unspektakulärsten, der aber den spröden 80er-Look so unnachahmlich einfängt, wie „Dirty Harry“ anfang der 70er die abgründig leuchtenden Farben eines lebensfrohen San Francisco.
Wer nur auf meucheln steht, wird diesen Film eher mäßig finden (wenn auch die Sequenz, in der zweite vom Pech verfolgte Räuber glücklos versuchen, ausgerechnet eine Polizeikneipe auszurauben zu einer der meistzitierten jener Zeit gehört), wer Polizeifilme jedoch mag, wird hier ein wenig seinen Spaß haben.
Böse sein muß man „Cusack“ jedenfalls nie, allenfalls kann man ihm attestieren, zu viel auf einmal versucht zu haben. (5/10)