Review

Chuck Norris kann zwar einen Stuhl mit einem einzigen Arm hochheben – auf dem er selbst sitzt, doch mit der Schauspielerei hat es der bärtige Mime selten über einen Gesichtsausdruck gebracht. Und auch Regisseur Andrew Davis, der danach einige spannende Streifen wie „Ein perfekter Mord“ oder „Auf der Flucht“ ablieferte, fehlt an dieser Stelle noch deutlich das Gespür für Dynamik.

Der Chicagoer Cop Cusack (Norris) will den kolumbianischen Drogenboss Camacho (Henry Silva) endlich dingfest machen, als eine Undercover-Aktion im Blutbad endet. Es entbrennt ein Krieg zwischen zwei Mafia-Clans, während Cusack Diana, ein potentielles Entführungsopfer eines Clan-Mitgliedes aus der Schusslinie zu bringen versucht…

Die Undercover-Aktion beginnt zwar recht viel versprechend und liefert auch ein paar ansatzweise spannende Szenen, als vier als Maler verkleidete Typen das Feuer eröffnen, doch bereits da vermisst man den berühmten Roundhouse-Kick des ehemaligen Karate-Weltmeisters Norris. Fast eine Dreiviertelstunde vergeht, bis erstmals ein wenig Fahrt aufgenommen wird.

Die Figuren entfalten sich als stereotype Klischeegestalten, es gibt kaum Auflockerungen, markige Sprüche sind komplette Fehlanzeige und bei alledem vermag allenfalls Henry Silva auf darstellerischer Seite zu überzeugen, denn den schmierig fiesen Bösewicht verkörpert er auf ganzer Linie überzeugend.

Erst als Cusack in einer Billard-Bar aufkreuzt und ein gutes Dutzend Randfiguren aufmischt, kommen jene Action-Elemente ins Spiel, die man sich weitaus früher gewünscht hätte.
Es folgen eine Hatz durch einen Tunnel, ein gut in Szene gesetzter Fight auf dem Dach eines Zuges, eine Observation im Zoo und final eine schießwütige Schlacht in einer geräumigen Lagerhalle am Hafen, wo der neue Polizeiroboter Prowler erwartungsgemäß zum Einsatz kommt und dem Helden ein wenig den Rücken frei hält.
Dabei stimmt das Timing, funktionieren die raschen Schnittfolgen und überzeugt die ordentlich positionierte Kamera, welche zuvor ein paar Unsicherheiten aufwies.

Doch der Bandenkrieg zweier Mafia-Clans und die damit einher gehenden Konfrontationen bieten weder Abwechslung noch erfolgen etwaige Twists, Innovationen bleiben bis zuletzt aus und auch wenn Norris` Präsenz nicht von der Hand zu weisen ist, hat dieser rein sportlich betrachtet nicht wirklich viel zu tun.

„Code of Silence“ bietet passable Ansätze in Sachen Loyalität unter Kollegen und auch ein paar Action-Sequenzen mit einigen Explosionen sind annehmbar inszeniert, doch im Gesamtbild ist das von allem zu wenig, um auf die Dauer von 100 Minuten zu unterhalten.
Auch wenn Chuck Norris die Kokosnuss geklaut hat und mit offenen Augen niesen kann, - dieses B-Movie bietet aufgrund seiner eher schnarchigen Inszenierung kein Genre-Highlight.
Knapp
5 von 10

Details
Ähnliche Filme