Review
von Leimbacher-Mario
Schwarze Schwester
Als letzten Film im „Amazon Prime-Halloween-Horror-Blumhouse-Quartett 2020“ ist „Nocturne“ dran - ein musikalisches, elegantes Teenager-Horrorstück über klavierspielende, dauernd in Konkurrenz stehende Zwillingsschwestern, bei denen die Eine immer etwas im Schatten der schöneren, talentierten und positiveren Anderen stand. Bis der mysteriöse Selbstmord einer weiteren Pianistin an deren Musikschule sie in ein Netz aus teuflischen Ambitionen, gefährlicher Missgunst und krankhaftem Ehrgeiz wirft...
Ein wenig „Suspiria“, ein bisschen „Ginger Snaps“, ganz Blumhouse. Im Gegensatz zu „The Lie“ und „Evil Eye“ kann „Nocturne“ (ähnlich wie „Black Box“) etwas. Wenn auch nicht aufsehenerregend viel. Der Mystery-Thriller bietet zwei starke, junge, aufstrebende Hauptdarstellerinnen, er bietet eine unangenehme Sounduntermalung zwischen Hölle und Klassik, zwischen Dissonanzen und Schönheit. Zudem ist die gesamte Atmosphäre böse, düster, fast nihilistisch genug, um ihn ohne Frage seinem Horrorgenre zuzuordnen und schockieren zu lassen. Und dass, ohne unsere über Leichen gehende Protagonistin zu unsympathisch oder nicht nachvollziehbar handeln zu lassen. Sie verliert sich in einem blutigen Schema aus Ehrgeiz und Eifersucht, sieht nicht, wenn es schon zu spät ist, wenn es gefährlich wird, was wirklich zählt. Und das ist durchaus ein nicht allzu weit hergeholtes oder unrealistisches Spiel, das man dem „Teufel“ oder besser gesagt unserer verbissenen, viel zu oft nur an Erfolg messenden Welt ohne Weiteres zutrauen kann.
Fazit: Eifersucht, Neid, Talent unter Schwestern... „Nocturne“ ist eine stylische Mischung aus „Whiplash“ und „Black Swan“. Für zwischendurch ohne Frage brauchbar. Und wohl der beste Vertreter der diesjährigen Blumhouse-Amazon-„Klasse“. Selbst wenn das nicht die Welt bedeutet. Art, Themen, Nebenfiguren sind hier allesamt eher nicht top bzw. neu.