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Blumhouse ist das Powerhouse in Sachen Grusel und Horror des frühen 21.Jahrhunderts – das ist inzwischen schon Allgemeingut: eine Firma, die mit kleinen Budgets, aber interessanten Ideen praktisch am Fließband Horrorstoffe produziert, die dann – vor allem auch bei den jüngeren Zuschauern – riesig abräumen. 

Wie es aber nun mal so ist, wenn man erst mal groß ist, dann probiert man alles Mögliche – so wie im Fall von „Welcome to the Blumhouse“, einer filmischen Anthologie, die von Amazon für „Blumhouse Television“ produziert wurde, acht Filme, zu „klein“ fürs Kino, aber geeignet für einen freundlichen Streamingabend…hoffte man…

 Bei dem vierten „Welcome to the Blumhouse“-Film, „Nocturne“ schien die Leistungskurve wieder etwas nach oben zu zeigen. Die Story von den kompetetiven Zwillingsgeschwistern (zwei-eiig), die beide gern auf eine ach so tolle Musikakademie wollen, klingt zwar auf dem Papier relativ abgegriffen, gewinnt aber relativ schnell anhand des faustischen Motivs, welches sich durch die Handlung zieht.

Heißt soviel wie: Vivian fliegt nur so alles zu, während Juliet sich den Arsch abarbeiten muss, um zumindest noch ihre Hecklichter zu sehen. Das führt dazu, dass Juliet auch mal Zeit für Alk, Kiffen und einen schnieken Kerl zum Poppen hat, während Juliet sich therapiefreudig durch ihr Leben schwitzt.

Nachdem eine Mitstudentin Selbstmord begeht, kommt Juliet durch Zufall (oder Vorbestimmung) in den Besitz ihres Notizbuchs mit seltsamen, okkult wirkenden Zeichnungen und einem komplizierten Musikstück, „The Devil’s Thrill“. Und nach und nach entwickelt sich die vormals technisch hervorragende, aber leidenschaftslose Arbeitsbiene in eine sehr sehr kämpferische Bitch, die ihren Weg sucht, ohne darauf zu achten, was es sie kostet.

Träume, Symbole, seltsame Lichter, mysteriöse Zeichnungen, das Übernatürliche bleibt vage in diesem Film, der eher seine Kraft daraus gewinnt, wie Juliet immer rabiater gegen alle Widerstände Selbstverwirklichung bzw. Selbstverleugnung begeht. Dass die Schwestern alsbald zu Rivalinnen werden, ist von Anfang an klar, aber der ruppige Aufstieg kostet auch ihren Lehrer den Job und noch einiges mehr. Der Erfolg rückt damit zwar in die Nähe, aber beliebter wird man auf diese Art und Weise natürlich auch nicht.

Ob nun das, was geschieht, alles Fügung oder von einer höheren Macht beeinflusst, wird nicht definitiv entschieden - aber es ist interessant mitanzusehen, wie sie ihre Position in diesem Konstrukt einer Musikerausbildung, bestehend aus Stolz, Eitelkeiten und Überlegenheit gegenüber den Heranwachsenen sieht, während Lehrer, Berater und Ausbilder - und am Ende auch die Schwester - sie erfolglos an ihren Platz verweisen wollen.

Zu Quirke, die hier ihren ersten Langfilm inszeniert, hat die Zügel sehr straff in der Hand, präsentiert ihre Geschichte dicht und atmosphärisch, geht auch mal dahin, wo es weh tut. Mit Sydney Sweeney („Euphoria“) hat sie aber auch eine Darstellerin bei der Hand, die alles gibt und die Brüche in der Psyche sichtbar macht – wo es doch so einfach gewesen wäre, mit ihrem guten Aussehen die Chose straight runterzuspielen.

Das Problem des Films liegt auf der Schlussgeraden, denn bei diesem Aufbau erwartet man natürlich ein besonderes Finale. Das wird dann auch geliefert, aber es gerät ganz anders, als ich es erwartet hätte und lässt diverse Fragen offen, setzt voll und ganz auf die Karte, dass dich der große Erfolg auch ziemlich viel kosten kann und zieht ein bitteres Fazit. Was da nun wirklich auf der übernatürlichen Ebene abläuft, wird allerdings nicht geklärt, der Einfluss des Notizbuchs scheint mehr der eines MacGuffin zu sein, der die Handlung in Gang bringt – der aber dann auch keine originelle Schlusswendung mehr zulässt, sondern nur eine folgerichtige. Welche wiederum ziemlich bösartig ist.

Alles in allem einer der besseren WTTB-Filme, der aber ein wenig Mitarbeit erfordert, dann aber sehr eindringlichen Visuals belohnt. (7/10)








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