Review
von Leimbacher-Mario
Halloween-Inn
Influencer, Vlogger, YouTuber - mehr Likes, mehr Fans, mehr Geld. Horror und Mysterien ziehen da natürlich - also gehen manche dem fragwürdigen Hobby nach, sich für ihre Follower (oder eher mehr „davon“) in „verfluchte“ Gemäuer oder Hotels mit mörderischer Vergangenheit zu begeben. Genau so geht’s „DropTheMike“ in „Followed“, der sich mit seiner Crew aus mehr oder weniger Freunden in ein altes Hotel in einer der ranzigeren Gegenden von Los Angeles einschreibt - da dort schon eine Menge seltsamer Tode passiert, Menschen verschwunden und Morde geschehen sind...
Ähnlich wie der aktuelle „Follow Me“ das mit Escape Rooms versucht, will „Followed“, so hat man lange Zeit das Gefühl oder den Gedanken, das Genre der Found Footage-„Haunted House“-Schocker unterlaufen. Nur um damit dann noch viel krachender zu versagen, zu enttäuschen, in sich zusammenzuklappen, wie der genannte Kino-Sleeper-Hit. Nicht falsch verstehen - „Followed“ hat seine Momente und wer zu Filmen a la „Katakomben“ oder dem neuen „Host“ nicht allzu streng war, ihn abends allein im Bett mit guten Kopfhörern genießt, der kann gute, creepy Momente finden. Z.B. ein sich aufrichtender Geist am Ende des Ganges oder das „Aufzug-Spiel“. Leider verhageln schlechte Darsteller (besonders wenn sie sich aufregen müssen oder das Ding gegen außer Kontrolle läuft), eine uninspirierte Auflösung, einige genreinterne Unglaubwürdigkeiten, eine mangelhafte Chemie und erstaunlich unsympathische Figuren, nahezu ohne Läuterung oder Entwicklung, den Spaß und Spuk massiv. Letzteres gilt vor allem für den arschig-ätzenden Protagonisten und Star der Show, der zwar nicht unrealistisch für einen aus seiner Branche wirkt, manchmal auch witzige Sprüche rausballert, den man jedoch eigentlich von Beginn an leiden und sterben sehen will. Wie der Film jedoch einige seiner Mythen und Nebenfiguren, Rätsel aus der Vergangenheit und Bedrohungen an wahre Gräueltaten und Mörder anlehnt, kann man geschmacklos finden - oder eben gelungen und recht authentisch. Ich tendiere zu Letzterem. Weitere nicht zu unterschätzende negative Punkte sind eine viel zu professionelle, laute und überarbeite Soundkulisse, erstaunlich billig aussehende Geister und ein Finale, das einen nur unterwältigt zurücklassen kann. Egal wie man zu dem gescholtenen Subgenre steht. Ich mag es und gebe mir bekanntermaßen gerne mal ein paar „First Person“-Spookies. Aber „Followed“ spielt dabei leider nie in der ersten Liga.
Fazit: eine mild-gruselige Mischung aus „1408“, „Grave Encounters“ und „The Gallows“. Für Found Footage-Fans mit Leerlauf im Oktober gerade noch ok. Für den Rest eher Schnee von gestern. Relativ beliebig.