Review
von Leimbacher-Mario
Schwuler Schauer
„Spiral“ ist ein sehenswerter Shudder-Exklusivtitel und erzählt von einem Vater, der Mitte der 90er mit seiner Tochter und seinem neuen Lebensgefährten aus der Stadt in eine eher ländlichere Gegend zieht. Dort fallen seinem Partner schnell die seltsame Blicke, Sitten und Riten der Nachbarn und Gemeinde auf - Homophobie, Einbildung (auf Grund Traumas aus der Vergangenheit) oder steckt gar noch mehr dahinter?
Natürlich kommen bei „Spiral“ Gedanken an neuere Wegbereiter wie „Get Out“, „Hereditary“ bis hin zu „The Void“ auf, genauso wie an (Paranoia-)Klassiker a la „Repulsion“ oder „The Tenent“. Aber im Kern wirkt „Spiral“ dennoch frisch und lebendig genug, um eigenständig und fast gleichberechtigt dazustehen. Und das liegt kaum/nicht nur an den homosexuellen Protagonisten, dem eher ungewohnten Blickwinkel - sondern einfach an der Klasse und Wichtigkeit des Gesamtpakets. Jeffrey Bowyer-Chapman spielt herausragend - endlich sieht man ihn mal außerhalb von Serien. Diese Chance sollte er öfters bekommen! Außerdem zieht die Atmosphäre kontinuierlich an, die Hoffnung geht schnell flöten und die absehbare, aber dennoch harte Auflösung ist ein echter Magentreffer. Trotz dem minimal hoffnungsvollen Bogen ganz am Ende. Insgesamt hat mir „Spiral“ exzellent gefallen, sowohl horrorfilmtechnisch als auch auf ganz realer Basis gehörig Angst gemacht. Das Gefühl der „Fremdenfeindlichkeit“ (hier noch wesentlich weiter gefasst, als einem zuerst bei dem Wort in den Sinn kommt) wird stark eingefangen, die Aussagen sind diskussionswürdig und zum Teil kämpferisch, zum Teil niederschmetternd. Und „Spiral“ hält für mich gekonnt die Balance aus metaphorischem sowie klassischem, handfestem Horror. Alles in allem ein Toptitel.
Fazit: Peele trifft Polanski - „Spiral“ bespricht neue (und dennoch zeitlose!) Themen mit klassischen Mitteln. Exzellent, wichtig, richtig gruselig. Soziologischer Schrecken. Ein gefährlicher Film - für alle „Bösen“. Frisch!