Review

Der prägende Einfluss von Jordan Peele´s „Get Out“ ist hin und wieder unübersehbar und auch der junge Filmemacher Kurtis David Harder hat sich augenscheinlich von einigen Aspekten inspirieren lassen. Dazu noch etwas Okkult-Horror in Richtung „Rosemarys Baby“ und schon steht der Mystery-Thriller.

Mitte der 90er in einer Kleinstadt: Malik (Jeffrey Bowyer-Chapman) und Aaron (Ari Cohen) sind soeben mit der 16jährigen Tochter Kayla (June Laporte) hierher gezogen und werden von der Nachbarschaft um Marshal (Lochlyn Munro) herzlich empfangen. Doch Malik bemerkt schon bald die fadenscheinige Fassade einiger Individuen und nachts scheint es in ihrem neuen Domizil umzugehen. Darüber hinaus treibt eine sektenartige Gemeinschaft ein paar Häuser weiter ihr Unwesen...

Gut ist, dass die gleichgeschlechtliche Partnerschaft nicht übermäßig hervorgehoben, sondern als etwas Alltägliches eingeführt wird. Malik erlitt vor zehn Jahren ein traumatisches Erlebnis, welches bis heute nachwirkt und sich dem Zuschauer nur schrittweise offenbart. Er ist der deutlich jüngere in der Beziehung, während der abgeklärt wirkende Aaron eine langjährige Ehe hinter sich hat und im Gegensatz zu Malik ein gewisses Grundvertrauen in seine Mitmenschen setzt.

Zunächst erfolgt der Schrecken schleichend mit klassisch angehauchten Angstmachern wie nächtlichen Geräuschen oder ominösen Gestalten vor dem Haus. Der gesellschaftliche Grusel wird auf anderer Ebene hervorgehoben, indem Malik in Form eines Ghostwriters mit eingefahrenen Konventionen zu tun hat, wobei einige Aussagen vermeintlich freundlicher Nachbarn besonders zwischen den Zeilen verletzend sind, wenn es „so welche“ bislang noch nicht im nachbarschaftlichen Umfeld gab.

Das eher langsam erzählte Konstrukt ist nahezu komplett auf Malik zugeschnitten, mal abgesehen von kleinen Exkursen zu Kayla, die Bekanntschaft mit einem Gleichaltrigen macht.
Sobald sich die Schlinge etwas spürbarer zuzieht, erreicht die optische Verpackung zuweilen die Gefilde eines Fiebertraums, was bewusst Verwirrung stiften soll, jedoch nach kurzer Zeit wieder verpufft. Zu offensichtlich kristallisieren sich spätestens nach einigen eindeutigen Recherchen die Ziele des Bösen heraus und zu klischeehaft wird immer wieder eine Gruppe von Kuttenträgern in die Szenerie geworfen.

Auf Dauer mangelt es an kreativen oder gar originellen Einfällen, was weder die etwas zu vordergründig eingesetzte Musik, noch die soliden Darsteller um den stark aufspielenden Bowyer-Chapman ausgleichen können. Auch ein Mangel an Suspense macht sich breit, da die Bedrohung eben lange Zeit zu vage bleibt und die jeweiligen Jump Scares nur bedingt zünden.
Hierzu gesellt sich ein viel zu oberflächlich abgehandelter Showdown, der jede mögliche Überraschung verspielt, indem er danach noch einen Zeitsprung vollzieht.

Thematisierte Aspekte wie gesellschaftliche Ausgrenzung oder langjährig anhaltende Feindbilder sind durchaus löblich, doch diese werden im Zuge einiger Klischees etwas zu lasch abgehandelt, - da hilft auch das Einwerfen körniger VHS nichts.
Zum richtigen Mitfiebern fehlt das Gespür für eine packende Dramaturgie und eben jener Schlinge, die sich dem Protagonisten und somit dem Publikum noch fester um die Kehle schnürt.
5 von 10

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