Staffel 1
Ich sehe tote Winkel
Da mich „The Haunting of Hill House“ mehr als begeistert (pun intended) hatte, wartete ich nicht lange mit dem „Nachfolger„ - „Spuk in Bly Manor“, jetzt, passend zum Oktober, auf Netflix. Zum Teil die bekannten Gesichter, aber eine komplett neue Geistergeschichte, keine echte zweite Staffel, nichtmal wirklich eine Anthologieserie würde ich das nennen. Dieses Mal gibt’s den Spuk im 80er-Jahre-Gewand mit hochgezogenen Jeans, Pet Shop Boys und Schulterpolstern. Erzählt wird von einem amerikanischen Kindermädchen, das es in einem riesigen, alten Herrenhaus in der Pampas Englands mit zwei vornehmen, aber etwas mysteriösen Waisenkindern zu tun bekommt... Gefriert einem wieder das Blut in den Adern? Gibt es wieder massig Geister und Gestalten im Hintergrund zu entdecken? Und kann das beeindruckende Bly Anwesen mit dem heimtückischen „Haus auf dem Hügel“ mithalten?
THE INNOCENTS
+ Flora und Miles bzw. beide Kinderdarsteller sind famos... oder besser „perfectly splendid“ ;)
+ die Serie, das Anwesen, der Look - einfach sehr edel
+ schreiender 80er-Mode/-Style
+ witzige, zum Teil sehr englische Art und Akzente
+ eigentlich eine (oder gar mehrere) Liebesgeschichte(n)
+ wieder etliche Geister und gut versteckte, creepy Erscheinungen im Hintergrund
+ Geister mit Charakter und Geschichten
+ selten wurden „Leben nach dem Tod“ derart romantisch und stilvoll und denkbar eingefangen
+ viel Foreshadowing; sehr clever aufgebaut und geschrieben
+ T'Nia Miller (samt „ihrer“ Episode 5) ist ein absoluter Standout
+ Auflösung/Finale kann zu Tränen rühren
+ erinnert auch an „Crimson Peak“ oder „The Haunting“
+ exquisite Gothic-Vibes
+ Episode 7 in schwarz-weiß inklusive Überblick, Historie und Einordnung+ ein paar Insider und Augenzwinker zum „Hill House“
+ positiv altmodisch, staubig und romantisch
+ einige Reminiszenzen und Hommagen an (britische) Spukklassiker
+ das Gegenteil von hektisch und Fast Food
+ Carla Gugino mit grauen Haaren
+ ganz wichtig: Charaktere, die einem ans Herz wachsen!!!
+ Rahul Kohli / Owen
+ für Henry James-Fans ein feuchter Traum
+ einige echte WTF?!-Momente und -Wendungen
+ für Fans von „Hill House“ sicher keine Enttäuschung
+ spielt mit/gegen Erwartungen
+ adretter Score
+ starke Frauenfiguren
+ baut fast null auf Jumpscares
+ famose, staubige, stickige Atmosphäre
+ man spürt das Bly Anwesen förmlich
+ die Geister ohne Gesichter sehr gruselig
+ edle Kamerafahrten
+ Tragik, Trauer, Tod spielen große Rollen
+ ambivalentes Ende inklusive Kommentar auf das Erzählen selbst
WINCHESTER
— nicht wirklich/nur Horror; erst recht nicht moderner, aktueller Horror - was viele Zuschauer abstoßen, langweilen und auf dem falschen Fuß erwischen kann
— sehr träge und gemächlich zum Teil
— viele Darsteller aus „Hill House“ in neuen Rollen, was verwirren kann
— kann manchen zu melodramatisch und romantisch sein
— braucht Anlaufzeit und viel Aufmerksamkeit, auch Geduld und Einfühlvermögen
— wirkt manchmal etwas steif
— manche Folgen, Szenen und Muster etwas redundant
Fazit: die Nicht-ganz-Unschuldigen. Liebe, Tod, Trauer. Purer, grenzperfekter, romantischer Gothic-Grusel. Ein moderner Klassiker im besten Sinne beider Worte. Für Connaisseure, nicht für Gelegenheits-, Nebenbei- und Mainstreamgucker! Flanagan ist immer wieder dicht dran an seiner Meisterschaft. Emotional und wahrhaft creepy. Da kann keine laute Fratze aus dem Blumhousebeet, keine American Horror Story mithalten. (9/10)