Bei der Tragikomödie von Regisseur Jeremy Sims handelt es sich um ein Remake des isländischen Überraschungserfolges „Sture Böcke“ von 2015. Der Plot wurde nach Australien verlegt und erhielt vom deutschen Verleih einen völlig unpassenden Titel, der wohl an den stimmungsmäßig ähnlich gelagerten Film mit Jack Nicholson erinnern soll.
Ihr ganzes Leben verbrachten die Brüder Colin (Sam Neill) und Les (Michael Caton) in Mount Barker, im Westen Australiens. Obgleich beide Merino-Schafe züchten und direkt nebeneinander auf einer Farm wohnen, sprechen sie seit 40 Jahren kein Wort miteinander. Als eine schlimme Infektionskrankheit die Tiere dahinrafft und das Gesundheitsamt drastische Schritte einleitet, sieht sich Colin gezwungen, einen Sonderweg einzuschlagen, der Les verborgen bleiben soll…
Mal abgesehen von der Frage eines angemessenen wirtschaftlichen Ertrags wird der Job des Schafzüchters sogleich in ein positives Licht gerückt. Eingebettet in eine sonnendurchflutete Landschaft, steht der Züchter in enger Verbundenheit mit den Tieren und mit dem Hirtenhund, es gibt genügend Platz und Auslauf und so treffen sich recht früh die lokalen Schafzüchter zu einem Wettbewerb, wo der augenscheinlich gesündeste Bock gekürt werden soll. In diesem Jahr gewinnt Les, natürlich sehr zum Ärger von Colin.
Kurz darauf stehen bereits zahlreiche Existenzen auf dem Spiel, denn wer von der Zucht lebt, wird aufgrund der Krankheit und den entsprechenden Auflagen für zwei Jahre dazu gezwungen, sich anderweitig zu betätigen, was Colin überhaupt nicht einsieht und sich einige Schafe ins Haus holt. Dies geht natürlich mit einiger Situationskomik einher, zumal die Tiere vor Besuchern versteckt werden müssen und zuweilen ihren eigenen Willen durchsetzen.
Die Erzählung schlägt eine Achterbahn der Emotionen ein, was nicht immer leicht verdaulich ist. Neben einigen humorigen Einlagen ist es irgendwann der Umstand von verheerenden Buschbränden, die ganze Landstriche und somit zahlreiche Leben bedrohen, was in Australien nur ein Jahr später Wirklichkeit werden sollte. Auch das starre, mitunter fast sture Festhalten an Traditionen löst eine weitreichende Melancholie aus und auf ihre Weise erscheinen beide Brüder sympathisch, zumal sie sich im Kern beileibe nicht unähnlich sind.
Sam Neill und Michael Caton sind diesbezüglich perfekt besetzt und überzeugen nicht nur rein äußerlich mit rustikalen Style. Ihre nonverbale Kommunikation weist ein ausgezeichnetes Timing auf und trotz gegenseitiger Wut ist da immer noch ein Funken Hoffnung und Zuneigung spürbar, die Fronten irgendwann zu kitten. Auch der Score bringt einige wunderbare Themen hervor, während die Kamera saubere Arbeit leistet und die Landschaften optimal in Szene setzt, teils eben auch mit Großflächenbränden im Vorder- und Hintergrund.
In den knapp zwei Stunden Laufzeit lässt sich Jeremy Sims relativ viel Zeit, spannende Einlagen halten sich in Grenzen und auch Action ist fast gar nicht auszumachen. Der Fokus auf die beiden Brüder und ihre gemeinsame Liebe zum Beruf des Züchters hält die relativ schlicht gehaltene Geschichte beisammen, bei der lustige als auch nachdenklich stimmende Momente eine gut ausbalancierte Mischung ergeben.
7 von 10