Review
von Leimbacher-Mario
Das Haus des langen Gähnen
Eine kleine Familie zieht von der deutschen Grossstadt an den österreichischen Arsch der Welt. Und natürlich ist das ländliche Haus und die dortige Dorfgemeinschaft von einer gespenstigen Vergangenheit geprägt, die schnell um sich greift und vor allem von dem jüngsten Spross zehrt...
Zwischen „Jagdszenen aus Niederbayern“ und „Stranger Things“, zwischen „Goonies“ und „Summer of '84“, zwischen „Die drei Fragezeichen“ und „Insidious“, zwischen „Tatort“ und „Das Haus an der Friedhofsmauer“ - Daniel Prochaskas Kindergrusler für Netflix erinnert an viele Hits, Richtungen, Inspirationen, zitiert sogar einige direkt, kann jedoch nie ganz an seine Vorbilder anschließen. Selbst wenn man allen Beteiligten höchsten Respekt zollen sollte, eine deutschsprachige Produktion derart international und konkurrenzfähig aufzuziehen. Synthies und Neonfarben, Kids und Geister, Lederhosen und Mordfälle, Pubertät und Besessenheit, lange Schatten und noch längere Gesichter. Grundsätzlich mag ich „Das schaurige Haus“. Ein bisschen Heimatbonus und Nationalstolz ist schon dabei. Hinter seiner weltweiten Konkurrenz muss er sich nicht allzu sehr verstecken. Einige der Kinder schloss ich schnell ins Herz und die Atmo wirkt dicht, viele Witze sitzen überraschend gut und wirken selten deplatziert. Der Österreichcharme ist spürbar. Gut so! Und dennoch sticht mir hier zu wenig raus. Dennoch gibt’s zu viel billige Spiegel-JumpScares. Dennoch hätte man das ein großes Stück weniger entschärft durchziehen können. Und dennoch sehe ich das Teil als nahezu reine Kinderunterhaltung. Für die mutigen versteht sich. Und für diese Zielgruppe macht „Das schaurige Haus“ wenig wirklich falsch. Für uns erwachsene Genrefans ist das aber arg light und zahnlos.
Fazit: sicher mit netten Ansätzen, auf internationalem Produktionsniveau, guten Jungdarstellern und sympathischem, nie overpowertem Retrofeeling. Und insgesamt dennoch leider nicht wirklich über Teenagerhorroreinsteigerfutter. Okay. Aber schon Schnee von gestern. Eher TKKG als Conjuring.