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Der eine oder andere Zuleser mag sich noch an jene verfilmte Kindergeschichte aus den Siebzigern erinnern, als Das Haus der Krokodile als Kulisse für seltsame Erscheinungen und ein lange zurückliegendes Geheimnis diente. Begleitet von ebenso düsteren wie einprägsamen Klavierklängen "untersuchte" seinerzeit ein 10-Jähriger Bub einen tödlichen Unglücksfall, der sich dort lange vor seiner Geburt zugetragen hatte. Mit Kombinationsvermögen und einigen Zufällen gelang es ihm schließlich, hinter das Geheimnis zu kommen.

Knapp 46 Jahre später haben wir eine ähnliche Ausgangslage: Mysteriöse Todesfälle in einem älteren Haus, deren neu hinzugezogene jugendliche Bewohner davon Wind bekommen und sich auf Spurensuche begeben. Statt einer gutbürgerlichen Wohnung in München-Bogenhausen hat der österreichische Regisseur Daniel Prochaska die Location seines 2020er Kinder-Gruselfilms Das schaurige Haus jedoch aufs Land verlegt, genauer gesagt nach Eisenkappel in Kärnten, dem südlichsten Punkt Österreichs an der Grenze zu Slowenien. In einem verrwachsenen, schon länger nicht mehr bewohnten Haus bemerken die Stadtkinder schon bald nächtliche, unheimliche Geräusche...

Da die Rahmenhandlung - eine alleinerziehende Mama kommt mit ihren beiden Söhnen im Offroader aus Hannover, da sie in den nahegelegenen Tropfsteinhöhlen einen neuen Job gefunden hat - weitgehend im Hintergrund bleibt, fokussiert sich die Geschichte zunehmend auf die beiden Söhne: während der 16-jährige Hendrik (Leon Orlandianyi) genervt ist, daß es in dem alten Haus zunächst keinen Handyempfang gibt, schließt der etwa 8-jährige Eddi (Benno Rosskopf) sogleich Freundschaft mit einer Schnecke, die er draußen am Boden aufgelesen hat. Doch der kleine Wuschelkopf ist dann auch das erste Opfer des Spuks, denn als er nachts durchs Haus schlafwandelt und mit schwarzen Pupillen seltsame Worte auf slowenisch spricht (an die er sich hinterher nicht mehr erinnert) bezweifelt sein älterer Bruder endgültig, daß es am neuen Wohnort irgendetwas Positives geben könnte. Ein schöner Schlamassel, zumal Hendrik von einem gleichaltrigen Schulkollegen als Neuling aus Deutschland zur Begrüßung erstmal eine blutige Nase verpasst bekommt - gut, daß sich mit dem strebsamen Fritz (Lars Bitterlich) und vor allem der hübschen Ida (Marii Weichsler) zwei einheimische Mitschüler finden, die ihm nicht nur gut zureden, sondern im Lauf der Geschichte zu seinen Mitstreitern werden. Schließlich gilt es ja, das Geheimnis um den angeblichen Giftmord einer Mutter an ihren zwei Söhnen, welche früher in ebenjenem Haus wohnten, aufzuklären...

Das schaurige Haus bedient sich einiger weniger Gruselelemente wie Projektionen im Spiegel oder schwarzer Pupillen, verzichtet darüberhinaus aber auf jegliche Horrorelemente oder gar blutige Szenen und stellt stattdessen die Kinder und deren Handeln in den Mittelpunkt. Mit seinen durch die Bank sympathischen jungen Hauptdarstellern und seiner genauso unaufdringlichen wie unspektakulären Erzählweise stellt er einen idealen Familienfilm dar, den sich Kinder mit Eltern und Großeltern zusammen anschauen können. Für den geneigten Horrorfreund bietet das abenteuerlustige österreichisch-deutsche Kleeblatt zwar wenig Greifbares, taugt jedoch als nette Unterhaltung zwischendurch: 6 Punkte.

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