In sieben Folgen schildert die Miniserie nach der Buchvorlage von Walter Tevis die Geschichte der jungen Beth Harmon, die im Waisenhaus ihre Liebe zum Schachspiel entdeckt. Der weitere Weg in Richtung Weltspitze wird für die Dame in einer Mischung aus Drama, etwas Zeitdokument und coming of age von Scott Frank inszeniert, dabei völlig fokussiert auf die Hauptdarstellerin Anya Taylor-Joy. Diese wirkt für die Rolle am Anfang ihres Auftauchens zu alt, das muss man schlucken. Kann man auch, denn sie wächst rein, spielt Beth einnehmend und trägt die Miniserie darstellerisch gekonnt.
Und diese wirft mit fortschreitender Spielzeit den Blick weiter auf Beths Werdegang am Schachbrett, auf die Personen, die da kommen und gehen sowie auf den Gebrauch von Opioiden, Alkohol und anderer Rauschmittel. Dennoch schwebt über allem das Spiel mit den 32 Figuren. Und gerade davon hätte ich gerne noch mehr gesehen, die Spielszenen sind oft emotional und weniger für Brett-Interessierte eingefangen. Aber das ist okay, man muss dieses mitunter langwierige Spiel verkauft bekommen.
Und wie auf dem Brett sollte man keine der Figuren unterschätzen, auch die am Rand haben Potential und so trifft Beth im Laufe der Jahre auf engere und fernere Beziehungen, wobei sich „The Queen's Gambit“ nie in Gefühlsduselei ergeht. Was nicht heißt, dass es emotional nicht auch mal packend sein kann.
Die überwiegend in den 1960er Jahren spielende Miniserie präsentiert sich mit einer hübschen Ausstattung, aber auch mit dieser weniger hübschen, typischen Netflix-Optik. Entsättigte Farben, wenig Weite. So bleibe ich mehr am Inhalt hängen, an dem Werdegang der Figur, den Rollenbildern und dem geschätzten Spiel selbst.
„Poor mind.“
Trotz der üblichen Zutaten eines (hier fiktiven) Biopic mit Aufstieg sowie Absturz und der leider wenig aufregenden weil netflixigen Farbgebung ist „The Queen’s Gambit“ nicht nur für Fans des Spiels eine empfehlenswerte Miniserie.