Vielleicht ist es nicht sonderlich ratsam, sein Regiedebüt einem Überlebensabenteuer mit historischem Hintergrund zu widmen, wenn das Budget von vorne bis hinten zu knapp ist.
Der teuerste Punkt war wahrscheinlich Mickey Rourke, der vor Greenscreen eine Büste von Kaiser Nero zutextet.
Die Geschichte steigt 62 n. Chr. ein: General Peatus steckt mit seinen Mannen in Armenien fest und entsendet den halbrömischen Legionär Noreno (Lee Partridge), um ein Hilfegesuch bei General Corbulo (Mickey Rourke) einzureichen. Auf seiner langen Reise durch feindliches Gebiet ist Noreno komplett auf sich allein gestellt…
Die erste Actioneinlage kann sich fast schon sehen lassen, als Noreno, von drei Feinden verfolgt eine steile Felswand hinaufklettert und sich damit als einer der ersten Freeclimber bezeichnen darf. Einige Schwertkämpfe sind ebenfalls auszumachen, allerdings mit nie mehr als zwei Gegnern gleichzeitig, weil das die Choreographie überfordert hätte. Zumal die Kamera, anders als bei den gelungenen Landschaftsaufnahmen oftmals nicht den entsprechenden Fokus findet.
Ansonsten läuft Noreno. Läuft über Wald und Wiese, über schneebedeckte Bergkuppen, durch eine Felswüste. Kein einziges wildes Tier interveniert, nur ein ehemaliger Soldat gibt Weißheiten der Nächstenliebe von sich, während immerhin eine Holde aus den Krallen zweier Missetäter befreit werden muss. Aber nur kurz, denn Noreno muss laufen.
Dazwischen faselt sich ein Rourke, der als solcher kaum mehr zu erkennen ist, beinahe das Botox aus den Lippen. Nach einigen Zeilen des Wehklagens gegenüber der Steinbüste hört man eh nicht mehr genau hin, die angenehm tiefe Synchro von Reiner Schöne macht beinahe schläfrig. Das ändert sich mit einem weiteren Kurzauftritt von Bai Ling kaum, die als politisch beratende Geliebte ebenso in Monologe verfällt.
Gedreht in ansprechenden Landschaften von Marokko, Spanien und LA, hat man nur selten das Gefühl, zur Kaiserzeit Neros unterwegs zu sein, denn die Ausstattung ist genauso minimalistisch wie die Handlung, für die sage und schreibe fünf Autoren benötigt wurden.
Wenn final doch einige antike Bauten per CGI ins Bild geworfen werden, stimmen noch nicht einmal die Lichtverhältnisse, ganz zu schweigen von einer kleinen Armee in kilometerweiter Entfernung, die ebenfalls aus dem Rechner stammt, weil es für Komparsen nicht langte.
Bis auf den ausschweifenden, aber ordentlich arrangierten Score läuft hier alles auf Sparflamme, selbst die Mimen kommen nicht über das Niveau der Check24-Familie hinaus.
Ein eindimensionales und reichlich fades Abenteuer, bei dem man sich wundert, warum Rourke die meiste Zeit eine Augenklappe über dem eigentlich intakten Auge trägt.
3 von 10