Nachdem der Horrorbereich von den Sechzigern bis in die späten Achtziger von italienischen Werken geradezu überflutet wurde, gab es in den vergangenen Jahren nur sporadische Versuche, einen Düsterfilm zu etablieren. Audiovisuell liefert das Regiedebüt von Co-Autor Domenico Emanuele de Feudis passable Ansätze, doch die Konzentration auf atmosphärische Spitzen lässt die Erzählung rasch beliebig erscheinen.
Süditalien: Francesco möchte seiner Mutter Teresa seine Verlobte Emma vorstellen, die mit Sofia, Tochter aus erster Ehe anreist. Nachdem Sofia begeistert den großen Garten des abgelegenen Herrenhauses erkundet und sich sogleich mit dem Hund Tito anfreundet, wird sie eines Tages von einer Tarantel gebissen. Emma traut den Heilkräften ihrer Schwiegermutter in spe nicht, doch als etwas von Sofias Körper Besitz ergreift, muss sie zwangsläufig handeln…
Die Exposition in einem Kellergewölbe deutet bereits ein wenig darauf hin, dass im ländlichen Süditalien einige ungewöhnliche Traditionen herrschen und Rituale, Austreibungen, aber auch Heilungen an der Tagesordnung scheinen. Mit der Ankunft der Familie auf dem üppigen Landsitz, dem leicht heruntergekommenen Herrenhaus und dem großen Gelände mit Olivenbäumen, macht sich rasch Argwohn breit: Ist Teresa eine Hexe oder Heilerin? Der Betrachter nimmt unweigerlich die Position von Emma ein, die zu keiner Zeit von ihrem Verlobten in die familiäre Situation eingeweiht wurde. Ein merkwürdiges Tischgebet mit auffallend intensiven Flüstern der Beteiligten verstärkt gewisse Befürchtungen.
Doch mit der Zeit verzettelt sich die Story nahezu komplett. Zwar wird der Einstieg im Verlauf zu einer Hintergrundgeschichte gefestigt, doch es gibt erschreckend wenige Interaktionen in der Familie. Alle bleiben distanziert, man wird mit keiner Figur warm und neben einigen Genreklischees (Flucht mit dem Auto endet vorm Baum) gibt es viele Momente, die wenig bis gar keinen Sinn ergeben. Und andere Szenen, die so schwach ausgeleuchtet sind, dass allenfalls Schemen erkennbar bleiben.
Folgerichtig fällt der Showdown komplett unspektakulär aus, die Pointe erscheint willkürlich wie einige Verhaltensweisen der Beteiligten, welche manchmal vehement ihr Ziel verfolgen, um im nächsten Moment passiv auszuharren oder komplett von der Bildfläche zu verschwinden. Das ermüdend langsame Tempo in der ersten Stunde untermauert, dass ansprechende Kulissen allein nicht allzu viel bewirken, wenn der Rest die titelgebende Bindung vermissen lässt.
Trotz passabler darstellerischer Leistungen, einer zumeist konzentrierten Kamera und einem zweckdienlichen Score verkommt die Chose zwischen Fluch, Besessenheit, Rache und einem düsteren Familiengeheimnis zu einer schwach ausgearbeiteten Gruselgeschichte, die aufgrund ihrer unausgegorenen, überaus distanzierten Erzählweise völlig kalt lässt.
3 von 10