Ein riesiges Anwesen mit Herrenhaus und einem großen Wald ist das Altersdomizil der verwitweten Teresa (Mariella Lo Sardo), die dort mit ihrer Haushälterin Sabrina (Raffaella D'Avella) lebt. In diesem abgelegenen Teil Apuliens scheint ein wenig die Zeit stehengeblieben zu sein, hier gelten noch von alters her überlieferte Bräuche, ganz anders als in einer hektischen italienischen Großstadt. Genau dorthin aber ist der Sohn des Hauses, Francesco (Riccardo Scamarcio), einst ausgewandert und kehrt nun zurück, um seiner Mutter seine zukünftige Frau Emma (Mía Maestro) vorzustellen. Mit Töchterchen Sofia (Giulia Patrignani) aus Emmas erster Ehe erreicht das Trio im Volvo-Kombi das alte Haus und wird bei einem gemeinsamen Essen mit weiteren Familienangehörigen auch gut aufgenommen - besonders die aufgeweckte, etwa 7jährige Sofia erkundet schnell den umliegenden Wald, wo sie uralte Bäume bestaunt. Doch schon in der ersten Nacht - den Traditionen entsprechend in einem separaten Zimmer - wird sie im Schlaf von einer Tarantel gebissen, was besonders ihrer Mutter Emma große Sorgen bereitet - trotzdem die kräuterkundige Teresa sie beschwichigt. Doch mit dem Spinnenbiss ins Schulterblatt ist noch etwas anderes in die Kleine gefahren - es scheint ein unheilvoller Geist wiederauferstanden zu sein...
Der italienische Mystery-Streifen Il Legame legt viel wert auf eine detaillierte Einführung und läßt seine Protagonisten in einer stilgerecht altertümlichen Umgebung agieren - das Setting des alten Hauses und des Gartens mit seinen knorrigen, teils entwurzelten Bäumen ist gut gewählt, die gewünschte unheimliche Atmosphäre stellt sich alsbald ein. Es vergeht allerdings viel Zeit, bis Regisseur Domenico Emanuele de Feudis in seinem Langfilmdebut das Böse zuschlagen läßt - ausgerechnet die Kleine erwischt es, und Mama Emma, die selbstbewußte Großstädterin, wird als erste mißtrauisch. Während Papa Francesco sich anscheinend nichts zu sagen traut und den Kräutertinkturen seiner Mutter vertraut, möchte Emma mit ihrem zunehmend schwächer werdenden Kind den Ort so schnell wie möglich verlassen, hat sie doch die Gastgeberin und ihre Haushälterin bei merkwürdigen Handlungen beobachtet. Doch das Böse läßt niemanden mehr fort, und Sofia kann auch in einem Krankenhaus in der Nähe nicht wirklich geholfen werden.
Leider geht der betont langsam und atmosphärisch begonnenen Story (Il Legame, auf deutsch Die Bindung bezeichnet natürlich die Bindung eines Geistes an einen Menschen, der dann Spiegel zerbersten lassen kann - hmm?) im Laufe der Zeit die Luft aus - der Geist stellt sich als ein aus dutzenden anderen Genre-Filmen bekanntes Phänomen heraus, das man erst verstehen muß, um dagegen ankämpfen zu können. Doch dessen Geschichte (es ist diesmal ein weiblicher Geist) erweist sich als genauso banal wie vorhersehbar, und auch die Verstrickung von Francesco (Scamarcio ist in diesem ihn kaum fordernden und - gemessen an der Screentime - eigentlich eine Nebenrolle darstellenden Part mehr oder weniger verschenkt) vermag der eher unklaren Verbindung des Bösen zu dem kleinen Mädchen keine Impulse zu verleihen - träge steuert das Geschehen einem Höhepunkt zu, der wenig dramatisch und vor allem vorhersehbar (und natürlich schon x-mal gesehen) einen Film beendet, der schlußendlich nur mit seinem zweifellos gruseligen Ambiente punkten, ansonsten aber keine Akzente setzen kann. Schade, da war mehr drin - 4 Punkte.