iHaveCNit: Contra (2021) – Sönke Wortmann – Constantin Film
Deutscher Kinostart: 28.10.2021
gesehen am 20.10.2021 im Rahmen der Spotlight - Arthouse-Sneak
Arthouse Kinos Frankfurt – Kleine Harmonie – Reihe 3, Sitz 9 – 21:00 Uhr
gesehen am 30.10.2021
Arthouse Kinos Frankfurt – Eldorado - Balkon – Reihe 1, Sitz 10 – 18:00 Uhr
Im Jahre 2018 zur deutschen Veröffentlichung ist der kleine französische Arthouse-Film „Die brillante Mademoiselle Neila“ von Yvan Attal trotz etwas Interesse an mir vorbeigegangen. Sönke Wortmann sei Dank kam ich dann doch noch in die Gelegenheit mir den Film anzusehen und mich etwas mit ihm auseinanderzusetzen, denn Wortmann hat sich diesem Film angenommen und ihn in den deutschen Raum transferiert. Nicht nur das, er hat ihn sogar direkt im internationalen, multikulturellen Frankfurt am Main spielen lassen – meiner Heimatstadt. Da ist es auch klar, dass ich mir den Film bereits 2 mal angesehen habe – im Rahmen einer Sneak und mit Begleitung. Und mir hat sowohl „Contra“ als auch sein französisches Original sehr gut gefallen.
Naima Hamid hat sich den ersten Tag und den Start in ihr Jurastudium sicherlich anders vorgestellt. Aufgrund privater Umstände kommt sie direkt zu spät und nicht nur das, der Dozent ihrer ersten Vorlesung, Richard Pohl, macht sie für diesen Umstand im gesamten Hörsaal rund – mit höchst rassistischem und demütigenden Unterton. Pohls Verhalten bleibt nicht unbemerkt, so dass ihm als letzten Ausweg vor einer Entlassung die Mentorenrolle für den kommenden Debattierwettbewerb angeboten wird und er dafür genau Naima Hamid fit machen soll.
Wortmann sorgt für eine einigermaßen vorlagengetreue Neuverfilmung des französischen Originals, die sich jedoch nicht ganz als reine Kopie des französischen Films anfühlt. Das liegt an diversen Faktoren. Nicht nur, dass hier klar die Handlung von Paris nach Frankfurt am Main verlegt worden ist. Auch die familiären Hintergründe der beiden Hauptcharaktere werden leicht abgeändert bzw. wesentlich vertieft und an deutsche Begebenheiten angepasst – und einer Nebenrolle wird spürbar mehr Raum gegeben. Bedingt durch diese Details und diversen noch feineren Details fühlt sich „Contra“ nicht wie eine 1:1-Kopie von „Die brillante Mademoiselle Neila“ an. Die Handlung und das Thema an sich ist ja wie gemacht fürs Kino. Denn das Aufeinandertreffen von „Kulturen“, eine klassische Underdog-Geschichte und das typische Mentor/Schüler-Thema passt immer und kann in der heutigen Zeit natürlich noch um gesellschaftskritische Themen wie Rassismus ergänzt werden. In den Hauptrollen, die im Original von Daniel Auteil und der wundervollen Camelia Jordana gespielt worden sind, sehen wir hier Nilam Farooq und Christoph Maria Herbst, die sich ähnlich gute Wortgefechte liefern und eine tolle Dynamik entwickeln. Darüber hinaus muss ich aber für mich selbst sagen, dass mir Hassan Akkouch in der Nebenrolle des Mo irgendwie am Besten gefallen hat, denn er ist in gewisser Art und Weise ein bodenständiger, positiver Teil der Geschichte. Diese Bodenständigkeit und Positivität des Films selbst sorgt natürlich in seinem gesamten Verlauf zu einem Feelgood-Film, der einem eben mit gutem Gefühl aus dem Kino entlässt. Doch dieser Ansatz des Wohlfühlkinos kann natürlich auch dem ein oder anderen sauer aufstoßen, denn der gesellschaftskritische Unterbau der Geschichte wird damit nicht vollständig konsequent ausgespielt. Wenn es hier um die Figur des Richard Pohl geht ist es natürlich auch für einen vollständig konsequenten Umgang diskussionswürdig, ob genau eine einzige Rolle als Mentor mit relativ positivem Ergebnis die gesamten rassistischen, sexistischen und zynischen Entgleisungen der Vergangenheit ausgleichen kann. Genauso ist auch die Botschaft diskussionswürdig dass es jeder schaffen kann wie im Beispiel von Naima Hamid. Denn mit einem weitestgehend realistischen Blick auf die Lebensverhältnisse von jungen Menschen mit ihrem kulturellen Hintergrund ist sie nur einer von sehr wenigen Einzelfällen, die einen Zugang zu diesen Möglichkeiten bekommen, etwas aus sich machen können und quasi gesellschaftlich ankommen. Und hier haben sowohl „Contra“ als auch sein französisches Original dieses Potential für eine ausführliche Debatte über das Thema nicht vollständig ausgeschöpft. Trotzdem hat der Ansatz des Wohlfühlkinos bei mir seine gewollte Wirkung erzielt, so dass der Film mir sehr gut gefallen hat.
„Contra“ - My Second Look – 8/10 Punkte.