Review
von Leimbacher-Mario
Paroli, Profi oder Pimmelkopf?
In Sönke Wortmanns „Contra“ muss ein arschiger, leicht rassistischer, jedoch auch ziemlich versierter und schlauer Sprachprofessor einer jungen, arabisch stämmigen Studentin Nachhilfe geben bzw. sogar ihr Mentor für einen angesehenen Debattierwettbewerb werden. Kann das gut gehen? Nähern sich beide an? Der genau richtige Film in einer gefährlichen Zeit der Spaltung, fehlenden Diskussion, Raffinesse, Offenheit? Oder doch nur klischeebeladene Traumlandstudie zwischen Ghetto und Uni, zwischen Fluff und Puff, zwischen Stromberg und Bushido?
Das französische Original „Le Brio“ kenne ich übrigens nicht.
„Contra“ bietet Frankfurt als perfekten Untergrund mit Weltstadtflair und doch typisch deutschen Gegensätzen. „Contra“ bietet Christoph Maria Herbst wie man ihn kennt und liebt - und doch bietet seine Figur mehr als nur „Stromberg“ und Klischee. Es wird tiefer und trauriger. „Contra“ bietet einen passend urbanen Soundtrack. „Contra“ beleuchtet Vorurteile und Grauzonen. „Contra“ bietet einen starken Beitrag zum Thema Reden, Diskutieren, Debattieren, Überzeugen und sprachliche wie intellektuelle Befruchtung. „Contra“ bietet für und mit Nilam Farooq eine Performance, die man durchaus als „starmaking“ beschreiben kann. „Contra“ kommt zum Punkt und bietet nicht zu viel Laufzeit. All das hat er als Pro-Argumente ganz fett auf der Habenseite und das macht ihn auch zu einem der Must See-Kinofilme aus Deutschland in diesem Jahr. Selbst wenn er daheim später im Fernsehen sicher keinen Deut weniger funktioniert. Auf der Gegenseite reißen ihn seine vertanen Chancen doch mal deutlich düsterer zu werden, sein glasklares (böse gesagt) „Luschi-Wohlfühl-Ende“, sein allzu bekannter „Turnieraufbau“ und sein Versagen sich auch bei seinen Nebenfiguren von totalen Klischees zu trennen, immer wieder runter.
Fazit: ein (zu?) angenehmer, die Diskussion, Sprache und unsere kulturellen + menschlichen Unterschiede wie Gemeinsamkeiten, Stärken wie Schwächen feiernder Film. Safe gespielt. Aber gute, clevere, wohltuende und nett unterhaltende (nichtmal) zwei Stunden. Mit einem bockstarken Hauptduo.