Review

Knuddeliger Cashgrab


Nachdem die originale Trilogie der Sternensaga Mitte der 80er beendet war und noch lange nicht an Prequels oder Fortsetzungen gedacht wurde, schob der gute, gewiefte und gierige George Lucas zwei TV-Filme ein, mit Abenteuern auf dem Heimatmond der knuddeligen Ewoks aus „Return of the Jedi“. Irgendwie mussten aus dem Fankult bei Groß und vor allem Klein um die Sternenkriege ja noch ein paar Dollar rauszuholen sein. Oder zumindest sollte der Hype weiter am rollen gehalten werden. „Caravan of Courage“ erzählt von einer vierköpfigen Familie, die auf Endor abstürzt und strandet. Die Eltern werden von einem Riesen gefangen genommen und die zwei Kinder landen bei den bekannten Waldbärchen und begeben sich mit den kleinen Kuschelkriegern auf eine Rettungsmission…

Ich weiß nicht, ob ich die beiden „Ewoks“-Filme vielleicht Anfang der 90er noch vor den drei „Sternenkriegen“ zu Gesicht bekam, doch ich weiß, dass ich sie sehr früh gesehen habe und sie deshalb durchaus mit einer leicht rosarot gefärbten Brille betrachte. Obwohl es allgemein immer besonders interessant und brisant ist, nach Jahrzehnten solche alten „Schätzchen aus der Kindheit“ wiederzusehen. Und „Caravan of Courage“ bietet sowohl schockierende Langeweile, die man dermaßen sicher nicht in Erinnerungen trägt, als auch durchaus herzliche und süße Ansätze, die auch heute noch verstehen lassen, warum man damals an einem Sonntagnachmittag verzaubert und versteinert vor dem schweren Röhrenfernseher saß. Die Ewoks sind knuffig und sprechen Kinder und Kindgebliebene einfach an. Die kleine Aubree Miller als goldgelockte „Cindel“ schmelzt dann mal schnell die weiteren Herzreste vieler Zuschauer, obwohl man ihr nicht wirklich Schauspieltalent unterstellen kann. Aber sie erfüllt als liebenswürdige Identifikationsfigur ihren Zweck. Hintenraus gibt’s dann endlich auch Spinnen, Höhlen und Riesen, fast a la Harryhausen. Und als kindliches Abenteuer funktioniert das grob schon. Auf der Minusseite merkt man dann aber doch deutlich, dass der Film eigentlich nur für 60 Minuten gedacht war, dass die musikalischen Star Wars-Töne sowie Schauwerte schmerzlich fehlen, dass der bizarre und völlig aus der Luft gegriffene Erzähler nie passt, dass es etliche unfreiwillig komische Momente gibt und sich alle Beteiligten vor der Kamera damals nur wenig Hoffnung auf eine Zukunft in der Traumfabrik machen konnten. Die merkwürdig spürbaren „Pipipausen“ bzw. Handlungssprünge sind ebenfalls nicht gut. Aber all das reicht nicht ganz, um mir diese Reise in eine längst vergessene Epoche des größten Filmfranchise aller Zeiten madig zu machen. 

Fazit: süß, aber belanglos. Selbst mit rosaroter TV-Brille aus der Kindheit. Aber für die Kleinen noch immer ein schöner Bonus im Star Wars-Universum. Eine Mischung aus Nostalgie, Kinderspielzeug und „Jason und die Argonauten“. Viel Leerlauf und etwas aufgedunsen - aber grundsätzlich mag ich diese mutige Karawane! 

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