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Hinsichtlich des Titels mag man sich ausmalen, wie das Spielfilmdebüt von Emmanuel Osei-Kuffour zustande kam. Die Black Box, die etwa nach einem Flugzeugabsturz ausgewertet wird, um quasi die „Erinnerungen“ des letzten Fluges auszuwerten, wird auf die menschliche Psyche übertragen: Gedächtnisverlust soll dadurch minimiert werden, indem im Unterbewusstsein nach Fragmenten gesucht wird. Eine tolle Idee, die allerdings nur rund eine Stunde richtig gut funktioniert.

Fotograf Nolan (Mamoudou Athie) leidet nach einem Autounfall, bei dem er seine Frau verlor unter Amnesie. Seine kleine Tochter Ava (Amanda Christine) versucht ihm im Alltag nach besten Kräften zu unterstützen. Nach diversen Therapieversuchen erfährt er von einer ungewöhnlichen Behandlungsmethode von Dr. Brooks (Phylicia Rashad). Doch nach einigen Sitzungen scheinen sich fremdartige Erinnerungen einzuschleusen, die Nolan zusehends verunsichern…

Von Beginn an weiß der Betrachter nie mehr als Nolan, er befindet sich auf demselben Wissensstand, was früh eine angespannte Stimmung zutage fördert. Zumal Nolan unter wiederkehrenden Alpträumen leidet, in denen sich ihm eine unheimliche Gestalt mit spinnenartigen Bewegungen nähert.
Als reines Familiendrama funktioniert die Erzählung wunderbar, die Beziehung zwischen Vater und Tochter wird mit viel Charme und Emotionalität vermittelt, wodurch rasch Empathie geschürt wird.

Die Hypnosesitzungen sind visuell stimmig inszeniert, als Nolan anfangs nur gesichtslosen Personen begegnet wie bei der eigenen Hochzeit oder dem Beruhigen der Tochter, damals noch im Säuglingsalter. Als Nolan Teile einer Wohnung wahrnimmt, die nicht seiner aktuellen entsprechen, beginnt er Nachforschungen anzustellen. Die Figurenkonstellation bleibt überschaubar, insofern kommt ein Twist, der nach einer Stunde vollzogen wird, nicht übermäßig überraschend. Auf rein wissenschaftlicher Ebene entfaltet jene Wendung allerdings ziemlichen Humbug, was die bis dato hohe Qualität der Geschichte spürbar mindert.

Es folgen noch einige eher konventionelle Abläufe, doch mit der Spannung ist es ein wenig dahin. Auch eine Andeutung mit möglicher Fortsetzung ändert daran nichts.
Immerhin kann sich Regisseur Osei-Kuffour auf seine Mimen verlassen: Athie und Christine bilden ein zu jeder Zeit überzeugendes Gespann und entfalten eine starke Chemie. Rashad, welche ältere Semester noch aus der „Billy Cosby Show“ kennen dürften, performt ebenfalls solide und wird, wie damals von Marianne Groß synchronisiert.

Die Erwartungen, die der Stoff in der ersten Hälfte durch eine düstere Grundstimmung und einige alptraumhafte Sequenzen schürt, kann er im Verlauf nicht ganz erfüllen. Die Wendung verstrickt sich in wissenschaftlichen Quatsch und auch der Showdown gestaltet sich nicht allzu mitreißend. Dennoch ein insgesamt beachtliches Debüt eines Regisseurs, dem man im Auge behalten sollte.
6,5 von 10

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