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Blumhouse ist das Powerhouse in Sachen Grusel und Horror des frühen 21.Jahrhunderts – das ist inzwischen schon Allgemeingut: eine Firma, die mit kleinen Budgets, aber interessanten Ideen praktisch am Fließband Horrorstoffe produziert, die dann – vor allem auch bei den jüngeren Zuschauern – riesig abräumen.

Wie es aber nun mal so ist, wenn man erst mal groß ist, dann probiert man alles Mögliche – so wie im Fall von „Welcome to the Blumhouse“, einer filmischen Anthologie, die von Amazon für „Blumhouse Television“ produziert wurde, acht Filme, zu „klein“ fürs Kino, aber geeignet für einen freundlichen Streamingabend…hoffte man…

„Black Box“ war die zweite Produktion der „Welcome to the Blumhouse“-Reihe und wo der erste Film „The Lie“ ein wenig am kammerspielartigen Ehezerwürfnis und der relativen Vorhersagbarkeit krankte, ist dieser Film schon ein bißchen spannender und überraschender geraten.

Die Story vom Nahtodbetroffenen, der trotz Genesung mit Konzentrationsschwierigkeiten zu kämpfen hat und seine zehnjährige Tochter benötigt, um den Alltag zu meistern, wirft genügend Angelhaken und rotglühende Heringe aus, um ein Twilight-Zone- und Black-Mirror-affines Publikum wenn schon nicht zu begeistern, dann doch wenigstens zu interessieren. Unruhige Träume und verstörend knackende Geräusche in der Wahrnehmung sind da erst der Auftakt, wenn sich die Cosby-Spielpartnerin Phylicia Rashad daran macht, mittels einer neuartigen Hypnosetechnik zu den verborgenen Erinnerungen des Rekonvaleszenten vorzuarbeiten.

Da wird es denn in den Erinnerungswelten, bevölkert mit Figuren mit verschwommenen Gesichtern, zunehmend unheimlich, weil sie der Kern der Story nur nach und nach erschließt und auch erst mit dem – unvermeidlichen – Twist, schließlich offenbart. Dabei fokussiert das Interesse weniger auf typische Horrormotive (auch wenn in praktisch jedem Traum die gesichtslose, gliederverkrümmte und verdrehte Gruselgestalt auftritt, ein ruhelos knackender Nachtmahr, der ihm relativ ähnlich sieht) , sondern mehr auf die mysteriöse Frage, was denn nun wirklich in Nolans Kopf vor sich geht und wie kaputt seine Identität nun wirklich ist, wobei der Lösungsjoker wirklich nicht das Typische bietet.

Die Auflösung ergibt Überraschendes, vor allem wenn man die Folgen des „Durchbruchs“ bedenkt, aber auch hier hindern 100 Spielminuten ein wenig den Drive einer Story, die mit 80 Minuten präziser ausgefallen wäre, aber offenbar will man ein wenig auf die emotionale Tube drücken und das gelingt auch ganz ordentlich (Amanda Christine spielt das ganz wunderbar, das Kind, das eine Erwachsene sein muss, aber darauf besteht, auch ein wenig Kind sein zu dürfen und die leise Verzweiflung dazwischen), wenn auch Mamoudou Athie ein wenig zu sperrig und steif wirkt, um den „impact“ der Erkenntnis wirklich gut zu vermitteln UND eine emotionale Verbindung zum Zuschauer aufzubauen.

Dennoch ist der Gesamteindruck immer wieder erfrischend creepy, ohne jetzt zwingend noch in irgendwelche echten Gewaltausbrüche zu münden – was auch der Basisaussage eines Menschen im Kampf mit sich selbst sehr gut entspricht. Ein Film, der tatsächlich gut zum TV passt, für das er eigentlich gemacht wurde und rundum passabel unterhält. (7/10)





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