Tote zu fotografieren als ob sie lebendig wären und sie gegebenenfalls im Kreise der Hinterbliebenen zu platzieren, gehörte vor vielen Jahrzehnten zu einem recht makaberen Brauch. Dieser dürfte Regisseur und Co-Autor Péter Bergendy inspiriert haben, um daraus eine klassische Geistergeschichte zu formen.
Winter 1918: Tomas (Viktor Klem) hatte im Ersten Weltkrieg eine Nahtoderfahrung, seitdem ist er als Post Mortem- Fotograf auf einem Jahrmarkt tätig. Eines Tages bittet ihn die 10jährige Anna (Fruzsina Hais) in ihr Dorf zu kommen und die Toten abzulichten, da diese wegen des gefrorenen Bodens noch nicht beerdigt werden konnten. Kurz nach seiner Ankunft nimmt Tomas paranormale Phänomene wahr, denen er gemeinsam mit Anna auf die Spur kommen will…
Der Streifen wird als erster ungarischer Horrorfilm angepriesen, was durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Bergendy hat mit einem vergleichsweise geringen Budget recht viel aus dem Stoff herausgeholt, was sich gleich zu Beginn bei Bombenexplosionen abzeichnet. Aber auch der Hauptschauplatz des urigen Dorfes schürt eine dichte Atmosphäre, unterstützt von einem stimmigen Score und einer angemessen ausgeblichenen Farbgebung.
Ein paar überaus schwarzhumorige Einlagen sind nicht von der Hand zu weisen, als Leichen zurecht gebogen werden oder in bestimmten Momenten ein vermeintliches Eigenleben entwickeln. Ansonsten geht es eher düster zu, während sich der Schrecken und die Manifestation der Geister nach und nach steigert: Angefangen vom Trippeln auf dem Dachboden, erscheinen kurz danach Schemen, während die Aggression der Schattenwesen deutlich zunimmt.
In seiner nüchternen Herangehensweise ist Tomas durchaus ein Sympathieträger und im Zusammenspiel mit der scheinbar unerschrockenen Anna bilden sie ein gut funktionierendes Team, welches auf klassische Geisterfallen wie Mehl oder Glöckchen am Seil zurückgreift und auch mal die Aufnahmen eines Phonographen genauer untersucht. Zwar entstehen im Mittelteil kleine Längen, doch dafür entschädigt das teils recht turbulente Finale mit einigen surrealen Anleihen.
Die starke Ausstattung mit authentischen Kostümen und der treffenden Besetzung bis in kleinste Nebenrollen ist ein ebenso deutlicher Pluspunkt wie das exzellente Make-up, denn schließlich tauchen hier nicht wenige Leichen auf, obgleich ansonsten kaum Blut fließt.
Eher werden Leute in die Luft befördert oder wie von unsichtbarer Kraft durchs halbe Dorf gezogen, wonach Bergendy gen Showdown noch mal alle Register zieht.
Insofern lohnen sich die satten 115 Minuten Geisterhorror für Freunde klassisch düsteren Gruselns. Die Geschichte liefert zwar kaum Innovationen, doch sie arbeitet effektiv mit Versatzstücken und ist handwerklich grundsolide umgesetzt. Jump scares finden sich ebenso wie spannende Momente und ein paar Schmunzler sind ebenfalls auszumachen.
7 von 10