Wäre dieser Film vor 1999 herausgekommen, hätte er zu einem weltweiten Phänomen werden können. Stattdessen wurde es BLAIR WITCH PROJECT.
Unfairerweise trägt LET’S SCARE JULIE das Stigma einer miserablen IMDb-Userbewertung (aktuell rund 3/10), von einigen professionellen Kritikern wurde der Film dagegen richtiggehend abgefeiert. Denn mit BLAIR WITCH teilt JULIE nicht nur die Struktur und den langsamen Spannungsaufbau durch Andeutungen und eine spooky Atmosphäre, sondern auch den hammerharten, verstörenden Schluss. Um Kritikerlegende Kim Newman zu zitieren: „This is the only FrightFest film this year that made me turn the lights on afterwards“.
Der Weg dorthin erfordert etwas Geduld und – je nach Veranlagung – Nerven. Denn wir verbringen den gesamten ersten Akt des Films zusammen in einem Zimmer mit einer Gruppe Teenagermädchen, die tun, was Teenagermädchen eben so tun im echten Leben – sich aufziehen, lästern, Gruselgeschichten von der mysteriösen Julie im Haus gegenüber erzählen. Es kommt, was kommen muss: Die Mädchen ziehen los, um Julie einen Streich zu spielen. Doch die Kamera geht nicht mit. Wir bleiben bei der etwas verschüchterten Emma und ihrer kleinen Schwester und warten auf die Freundinnen. Doch die kehren nicht alle zurück. Spätestens in seiner Mitte bricht der Film vollends mit den Erwartungen des Zuschauers. Man weiß nicht mehr, was „Prank“ und was Spuk ist, wer da wirklich am anderen Ende des Handys ist, ob die Mädchen im Haus gegenüber gefangen gehalten werden oder ob das Grauen schon in den eigenen Zimmern umherschleicht.
Ach ja, was noch dazukommt: LET’S SCARE JULIE ist als „Onetake“ konzipiert, mit einer kontinuierlichen Kamerafahrt (von ein paar kleinen sichtbaren Schnitten abgesehen) sind wir die ganze Zeit ganz nah am Geschehen, manchmal zu nah. Im Gegensatz zu BLAIR WITCH PROJECT ist dieser Film jedoch kein „Found Footage“. Oder?