Review

Das ist mal eine simple wie effektive Stellungnahme, die der französische Autor und Regisseur Baptiste Rouveure mit seinem Debüt ins Spiel bringt: Versetze dich in die Opferrolle eines Tieres, dass zur Schlachtbank gebracht wird, als geschundenes Haustier im Wald ausgesetzt oder einer dunklen Spelunke zum Hundekampf angetrieben wird. Trotz der eindeutigen Botschaft lässt der Stoff leider kaum eine emotionale Beteiligung zu.

Wir folgen einem Typen, der im Wald, nahe einer Straße in Ketten an einen Baum fixiert wird, während eine Gruppe junger Menschen im Wald einigen Jägern zum Opfer fällt. Ihre Jäger sind Tiere, die unbarmherzig und emotionslos zuschlagen…

Die Erzählung wird ohne ein einziges Wort dargebracht. Es gibt dem Titel gemäß keine Namen, keinen (zeitlichen) Kontext, keine Vorgeschichte. Menschen sind Opfer und Tiere die Peiniger, wobei jene wie Menschen gekleidet sind, aufrecht gehen, jedoch mit Tiermasken wie Hund, Pferd, Hirsch oder Stier ausgestattet sind und entsprechende Tierlaute von sich geben. Klingt auf den ersten Blick lächerlich, doch so kommt es keineswegs rüber.

Es ist ein schlichter Rollentausch, der in herbstlich, nebeliger Kulisse irgendwo auf dem abgeschiedenen Land stattfindet. Der erzählerische Faden ist zunächst nicht leicht aufzunehmen, zumal die unsanft gesetzten Schnitte wie eine Ansammlung von Rohmaterial anmuten und teilweise nur ein, zwei Sekunden beinhalten, bevor es zum nächsten Szenario geht. Die gerade mal 7000 Euro Budget schimmern da sichtlich durch.

Was Rouveure hingegen gut gelingt, sind Momentaufnahmen der Angst im Zusammenhang mit einigen eindeutigen Situationen. Der angekettete Typ am Waldrand fürchtet sich vor der Ungewissheit, als ein Fahrzeug hält und weder Freund noch Feind zu erwarten ist. Die vom Schlachter getriebenen Menschen werden eingesperrt, während im Hintergrund eindeutige Geräusche wahrzunehmen sind und obgleich eine Flucht möglich scheint, zögert diese doch nur das Unvermeidliche hinaus. Die Schicksale sind alternativlos, wie das eines Schweins, das irgendwann auf dem Grill landet.

Um einen wirklich bleibenden Eindruck zu hinterlassen, hätte Rouveure mit seiner Parabel jedoch noch einen Schritt weiter gehen müssen, was durch diverse Schockeinlagen seine Wirkung nicht verfehlt hätte. Etwa in Form einer Grube mit Menschenleibern oder explizite Gewalteinlagen in Form von Folter als Metapher für Tierexperimente. Möglicherweise ist dies dem minimalen Budget geschuldet, so dass es lediglich bei Andeutungen bleibt. Immerhin, für etwas Gekröse, angereichert mit Stahlnägeln, was als Pendant für simples Hundefutter aus der Dose stehen soll, hat es letztlich noch gereicht.

Nach 61 Minuten wird bereits der Abspann eingeläutet und im Grunde hätte man sich doch etwas mehr Futter gewünscht oder eben die Konzentration auf nur ein menschliches Schicksal, was eventuell mehr Empathie erzeugt hätte. Es bleibt dennoch ein interessantes, teils groteskes, teils unbehaglich anmutendes Unterfangen, welches aufgrund des nachdenklich stimmenden Grundtenors einmal gesichtet werden kann.
6 von 10

Details
Ähnliche Filme