Review

Heuschreckenfrage


Französischer Umwelt- und Tierhorror auf Netflix mal anders. Heuschrecken als blutgeile Proteinquelle. Eine Mutter wortwörtlich mit Leidenschaft bei der Sache ihre Kinder zu versorgen. „Die Vögel“ trifft auf „The Squirm“. Zukunftsweisend und aufreizend unspektakulär. Und das obwohl diese Käfer (?) Ziegen, Hunde und Menschen verschlingen können…

Irgendwo zwischen „Phase IV“ und einer insektoiden, nicht-pubertären Form von „Ginger Snaps“ rollt dieser subtile und hochaktuelle Tierterror voller Eiweiss, Mehl und Blutdurst unaufhaltsam voran. Mit Ruhe Unruhe auslösen. Summen, surren. Ein Schwarm sucht Harm. Zuerst nervt zwar die Tochterfigur massiv, später auch ihre Mutter, da der Apfel wirklich nie allzu weit weg fällt, doch es nimmt jetzt keine schmerzhaften Züge an. Es ist zum Teil der Pubertät und den Umständen geschuldet. Und thematischen Aspekten sogar. Einige Bilder von schreckenüberströmten Menschen bleiben hängen, die Computereffekte gepaart mit echten Heuschrecken fügen sich nahtlos ein. Alles grundsolide Creature Feature-„Gruppen“arbeit. Nicht spektakulär, aber im Sinn der Sache. Das Ende ist arg offen. Seine bleibenden Stärken spielt „La Nuée“ allerdings in seinen Themen und indirekt gestellten Fragen aus. Über den Kreislauf des Lebens, den Sinn und Unsinn von Fleisch- bzw. hier auch Blutverzehr, über Kapitalismus und Tierhaltung, über Sell Out, Werte und Eltern, die wortwörtlich den letzten Tropfen für ihre Kinder und den Unterhalt geben würden. 

Fazit: sehr intelligenter und vielschichtiger Öko-Horror mit Botschaft und Understatement. Eklig, kribbelig, wichtig. Höherwertiges Genrefilmfestfutter auf Netflix. Mit nervigen und zum Teil vermeidbaren Fehlern. Aber auch mit unübersehbaren Stärken, die zum Nachdenken anregen. 

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