Review

Zwar scheint es unwahrscheinlich, dass der so genannten neuen französischen Härte nun die dänische folgt, doch es ist bemerkenswert, mit welcher Vehemenz Regisseur Jens Dahl seinem menschenverachtenden Treiben Ausdruck verleit. Da lässt „Hostel“ auch nach Jahren noch schön grüßen.

Mias (Sara Hjort Ditlevsen) biologische Uhr tickt, doch ihr Mann Thomas (Anders Heinrichsen) will keine Kinder und kümmert sich vermehrt um die Finanzierung eines Genetikunternehmens von Dr. Rubens (Signe Egholm Olsen), die ein Verjüngungsmittel für wohlhabendes Klientel entwickelt. Als Mia der Spur eines verfolgten Au-pair-Mädchens folgt, landet sie auf einem alten Industriegelände, wo sie den wahren Hintergründen von Rubens Treiben gefährlich nahe kommt…

In der ersten halben Stunde lässt sich die Erzählung etwas zuviel Zeit, das angeschlagene Eheleben zu veranschaulichen, während die wenigen Nebenfiguren rasch etabliert sind. Das geht allerdings nicht ohne diverse Genreklischees vonstatten, da dürfen die sadistischen Helfer ebenso wenig fehlen wie der dominante Kopf des Unterfangens. Und auch nicht die potenziellen Kunden, die für eine Verjüngung per Bio-Hacking durchaus ein Vermögen hinblättern.

Sobald sich Mia in der Höhle des Löwen befindet, betritt der Stoff die Gefilde des Torture Porn, gepaart mit typischen Frauengefängnisfilmen der Exploitationära. Der Titel legt bereits nahe, dass Frauenverachtung auf mehreren Ebenen vorzufinden ist, zumal Demütigungen und die komplette Reduktion auf den Körper, die Entmenschlichung zuweilen radikaler erscheinen, als reine Folterprogramme, die hier nicht allzu explizit ausfallen. Was die Gesamtsituation ebenfalls bedrückend erscheinen lässt, ist die vermeintlich ausweglose Situation in den Gewölben, die an jeder Ecke kameraüberwacht sind.

Trotz soliden Handwerks gestaltet sich das Treiben nicht allzu originell, manche Gegebenheit ist vorhersehbar und allzu große Überraschungen sollte man nicht erwarten. Allerdings sind die Mimen treffend besetzt und speziell die beiden wesentlichen Damen performen in jeder Hinsicht überzeugend. Olsen ist als dominante Forscherin mit eiskalter Freundlichkeit eine durchaus bedrohliche Antagonistin, während Ditlevsen sowohl eine kämpferische als auch eine recht verletzliche Seite präsentiert, was das Mitfiebern deutlich erleichtert.

Für manche mag der Stoff einige Jahre zu spät erscheinen, da die Welle härterer Gangarten bereits deutlich nachgelassen hat, andere mögen ihn als willkommene Abwechslung innerhalb mittlerweile oftmals weichgespülter Horrorware betrachten. Nichts Innovatives, aber mit spannenden und einigen atmosphärisch beklemmenden Momenten ausgestattet und Freunden deftiger Kost zu empfehlen.
6 von 10

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