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Auch Filmschaffende gehen mit der Zeit und da liegt es teilweise im Trend, einer scheinbar anspruchslosen Prämisse etwas Gesellschaftskritik unterzujubeln. Bei einigen Genrebeiträgen wie „Get Out“ funktioniert das recht gut, doch wenn die anberaumte Message verwässert wird oder zu viele Deutungen möglich sind, kann das, wie im Fall von „Lucky“ das Publikum eventuell spalten.

May (Brea Grant) arbeitet als Autorin für Selbsthilferatgeber für Frauen und führt eine eigentlich entspannte Beziehung mit Ted (Dhruv Uday Singh). Dies ändert sich, als eines Abends ein fremder Maskierter in ihr Haus eindringt und es offenbar auf May abgesehen hat. Der Kerl wird in die Flucht geschlagen, doch nach einem Streit verlässt Ted das Haus auf unabsehbare Zeit. Am folgenden Abend wird May erneut vom selben Kerl heimgesucht und wieder verschwindet er nach einem Gegenschlag spurlos…

Auf den ersten Blick wirkt der Stoff wie ein handelsüblicher Slasher, gepaart mit typischen Elementen aus dem Bereich Home Invasion. Doch bereits die untypische und überaus unbekümmerte Reaktion von Ted lässt auf etwas mit einem tieferen Sinn schließen: Wenn der Typ angeblich jede Nacht mit tödlichen Absichten aufkreuzen wird, warum bleibt man dann so gelassen? Tatsächlich bleibt es nicht bei zwei aufeinander folgenden Überfällen und logische Zusammenhänge werden rasch ad absurdum geführt. Da ausschließlich die Sichtweise von May im Fokus landet, zeichnen sich bereits früh einige Deutungsrichtungen ab, doch selbst diese können nie als sicher eingestuft werden.

Dies fordert einerseits den Zuschauer, andererseits ähneln die Abläufe arg dem täglich grüßenden Murmeltier, nur (fast) ohne entsprechendem Humor, wodurch die Dynamik nach einiger Zeit ins Wanken gerät. Die wenigen Gewalteinlagen sind zwar mit praktischen Effekten versehen, sie erscheinen jedoch recht weichgespült und auch die Wirkung des beinahe schmächtig anmutenden Unholds verpufft rasch. Allerdings driften die Ereignisse zusehends in surreale Gefilde ab und irgendwann geht es überhaupt nicht mehr um diesen einen Eindringling, was die letzte Einstellung nur allzu deutlich untermauert.

Hauptdarstellerin und Autorin Brea Grant greift ein nicht irrelevantes Thema auf, doch die Message kann, speziell hinsichtlich des leicht irreführenden Titels auch fehlinterpretiert werden. Handwerklich bleibt das eher minimalistisch ausgestattete Werk von Regisseurin Natasha Kermani unauffällig und auch darstellerisch kommt das Niveau nicht über annehmbare Leistungen hinaus. Längen stellen sich innerhalb der kompakten 80 Minuten nicht ein, doch wer ausschließlich auf eine anspruchslose Berieselung mit düsterer Atmosphäre aus ist, könnte spätestens im finalen Drittel an seine Grenzen stoßen.
Knapp
6 von 10

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