Review

Milch macht müde Monster munter


Während schon der südamerikanische „La Llorona“ (nicht zu verwechseln mit dem schwachen „Conjuring“-Ableger) seinem geistreichen Thema klasse neue Facetten abkaufen konnte, packt auch „The Old Ways“ sein Exorzismusthema in eine weiß-grün-rote Kiste aus dem dschungeligen Herzen Mexikos - und gewinnt damit mehr als nur Blumentöpfe! Nämlich auch springende Herzen, erhöhten Puls und oft genug einen wohligen Schauer... In der klein gehaltenen amerikanischen Produktion landet eine toughe Reporterin „im Busch“ in ihrer mexikanischen Heimat. Oder eher ihrem Geburtsort, da sie ganz Amerikanerin ist. Und wird dort erstmal festgehalten. Denn sie war trotz Warnungen in einer verbotenen Höhle und hätte nun einen gefährlichen Dämonen in sich. Das glaubt die junge Frau zu keiner Sekunde - bis sich die seltsamen Geschehnisse in ihrer „Zelle“ und ihrem Kopf häufen...

„The Old Ways“ macht (außer seinen kulturellen Einflüssen und „heimatverbundenen“ Untertönen) gar nicht mal allzu viel anders als beliebige Teufelsaustreibungen aus Hollywood oder auch Asien. Und dennoch wirkt er erstens erfrischend genug allein auf Grund seines exotischen Winkels und zweitens macht er das, was man erwartet und er machen will, einfach sehr effektiv und gekonnt. Die Darsteller nehmen ihre Sache ernst und spielen schmerzhaft intensiv, augenzwinkernd gebrochen wird's nie, das Quasi-Kammerspiel erhöht die Eindringlichkeit und Enge, die Jumpscares werden von einer schwitzigen Atmosphäre untermauert, die Heimatlosigkeit (und Drogenabhängigkeit!) unserer Protagonistin geben weitere Ebenen. Außerdem ist ihre Entwicklung überraschend drastisch und badass. Wenn man den Dämon sieht macht der Angst, ist er scheinbar eine feine Mischung aus handgemacht und computergeneriert. Das Sounddesign leistet sich keine Aussetzer, die Story ist rund und abgeschlossen, die eingestreuten mexikanischen Songs versprühen Flair und sind konternd-laidback. Alles in allem viel besser als er in seinem Metier eigentlich das Recht hätte bzw. als der mittlerweile limbotanzende Durchschnitt. Natürlich aber auch kein „Der Exorzist“.

Fazit: schöner mexikanischer Spin auf das eigentlich oft ausgelutschte Exorzismusgenre. Gruselig, authentisch, eklig. In allen Belangen zufriedenstellend. Nicht weltbewegend. Aber deutlich im creepy Bereich. Mehr als nur Jumpscares. Sozialer und kultureller Subtext. Klasse Monsterdesign, das leider etwas versteckt bleibt. 

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