Angekettet in einem Zimmer einer Hütte irgendwo im mexikanischen Dschungel, in dieser mißlichen Lage kommt die junge Reporterin Cristina (Brigitte Kali Canales) aus Los Angeles wieder zu sich - dabei wollte sie eigentlich nur eine Reportage über Catemaco in Veracruz, dem Ort ihrer Kindheit, schreiben. Doch als sie im mittelamerikanischen Urwald eine geheimnisvolle Höhle betrat, wurde sie von irgendeinem Dämon erschreckt, danach: Filmriß, wie sie sich bruchstückhaft zurückerinnert. Nun ist sie in einem Raum gefangen, dessen Wände mit okkulten Zeichen verziert sind, hat dank einer Fußkette nur einen knapp bemessenen Bewegungsradius und bekommt nichts außer Ziegenmilch und einem Eimer für die Notdurft. Ein älteres Paar, das nur spanisch spricht und mit dem für die Amerikanerin daher keine Konversation möglich ist, sieht ab und zu nach ihr: die Frau ist ganz offensichtlich eine Hexe und Cristina wird für diverse Rituale vorbereitet. Selbst als ihre Cousine Miranda (Andrea Cortes) auftaucht, bessert sich die Lage nicht, denn diese ist wie die Gastgeber davon überzeugt, daß Cristina von einer finsteren Kreatur beherrscht wird, die es auszutreiben gilt...
Die US-Produktion The Old Ways hält sich erst gar nicht mit Hintergrundinformationen auf, sondern steigt gleich mitten ins Geschehen ein: eine westliche junge Frau mexikanischer Herkunft auf Spurensuche in ihrer unglücklichen Kindheit, deren Auswirkungen sie jetzt in der Gegenwart eingeholt haben. Die englischsparchige Cousine, der sie ihren Besuch angekündigt hatte, erweist sich jedoch zunächst keineswegs als Verbündete, dient aber zumindest als Übersetzungshilfe und bringt vor allem für das Publikum langsam Licht in die dunkle Angelegenheit, die sich - stets aus Sicht der Amerikanerin geschildert - hier ausrollt: Cristina hatte sich nämlich entgegen Mirandas Vorwarnung in eine Höhle Las Bocas begeben, in der uneingeweihte Menschen vom Bösen befallen werden. Auch daß die Journalistin nicht im mindesten an Geister und sonstigen Hokus-Pokus glaubt und das alles für einen ausgemachten Schwachsinn hält (wobei der Regie-Einfall, daß Cristina harte Drogen spritzt, den Zuseher eine zeitlang im Unklaren darüber läßt, ob sie sich die Erscheinungen nicht einfach nur im Rausch einbildet), nützen ihr bei ihrer Verwandten wenig: sie muß die Austreibungsrituale über sich ergehen lassen...
The Old Ways nimmt sich viel Zeit für seine Mystery-Geschichte und kann dabei mit einem überzeugenden Setting punkten (Cristinas helles Gefängnis im Dschungel - eher ein einfach eingerichtetes Zimmer mit einer Fußkette am Bett - wird mit seinen Zeichnungen und Gegenständen sehr ausführlich gezeigt), kommt aber storytechnisch lange Zeit nicht von der Stelle und nimmt erst ab Filmmitte, wenn die Reporterin bemerkt, daß da tatsächlich "etwas Fremdes" in ihr drin ist, langsam Fahrt auf.
Die wenigen Darsteller wirken authentisch, besonders die alte Hexe Luz (Julia Vera) mit dem toten Auge, die sich als Mutter des grauhaarigen Mannes Javi (Sal Lopez) herausstellt, kann hier punkten; die wenigen blutigen Effekte (z.B. als die Hexe aus Cristinas Bauch wie eine Wunderheilerin Innereien herauszieht, was ohne Narkose und fast ohne Narben zu hinterlassen geschieht) kommen gut zur Geltung und auch die computergenerierten dicken Nebel- und Rauchschwaden im Finale verfehlen ihre Wirkung nicht. Doch insgesamt wirkt die Story an sich wenig ausgereift, läßt jeglichen Realitätsbezug des später als Postehki identifizierten Dämons bewußt weg und kann trotz (und auch wegen) eines kleinen Twists am Ende nicht überzeugen.
Wer vom (mexikanischen) Urwald und darin angesiedelten alten Geschichten von Dämonen und Hexen eine Gänsehaut bekommt, wird sich also bei The Old Ways durchaus wohlfühlen, wer hinter der bildgewaltigen Exorzismus-Geschichte jedoch eine stringente Handlung erwartet, wird enttäuscht. Am Ende bleibt das aus dutzenden ähnlich gelagerten Filmen bereits bekannte Gefühl des Unheimlichen, das sich - so leid es dem Drehbuch(Autor) auch tut - einfach nicht erklären läßt. 5 Punkte.