Gesamtbesprechung
"Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wir befinden uns in einer fernen Zukunft. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das viele Lichtjahre von der Erde entfernt unterwegs ist, um fremde Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen. Die Enterprise dringt dabei in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat."
So beginnt der Vorspann zu "STAR TREK - The next geneneration" und das, was die Stimme aus dem Off hier verspricht, hält die Serie auch ein. Fast zwanzig Jahre nach der alten Crew ist eine neue Besatzung mit einer neuen Enterprise im All unterwegs und erlebt zusammen mit dem Fernsehzuschauer eine Reihe spannender, oft aber auch nachdenklich stimmender Abenteuer, die häufig Anlass sind, über die gezeigte Geschichte weiter nachzudenken.
Oft wird diese zweite Star Trek-Serie (wenn man von der kurzlebigen Zeichentrickserie zu Beginn der 1970er Jahre mal absieht) mit der Originalserie mit den Figuren um Captain Kirk verglichen. Auch wenn dieser Vergleich sicherlich naheliegt, wird er der neuen Serie nur bedingt gerecht, schaffen doch die Verantwortlichen hier etwas Neues, das auch als solches wahrgenommen werden sollte, zumal diese Serie an vielen Stellen in seiner Aussage den Visionen des Schöpfers des Star Trek- Universums, Gene Roddenberry, vielleicht am nähesten kommt.
Die Handlung setzt gut hundert Jahre nach der Originalserie an, die Auseinanderesetzungen mit den Klingonen sind inzwischen Teil der Vergangenheit, ein wichtiges Mitglied der neuen Brückencrew ist sogar Klingone (der Sicherheitschef Lt. Whorf). Angeführt wird die Schiffsbesatzung von Captain Jean-Luc Picard, der anders als sein Vorgänger weniger einer gewissen Impulsivität vertraut, sondern der Überlegung den Vorrang vor einem vorschnellen Handeln gibt. Dabei vergewissert er sich immer wieder der Meinung seiner engsten Mitarbeiter, jeder ein Spezialist auf seinem Gebiet. Sei es der erste Offizier William Riker, der meist anstelle des Captains die Außenmissionen leitet, sei es der blinde Schiffsingenieur Geordi La Forge, der dank seines Visors Wellenbereiche sehen kann, die den normalen Menschen verborgen bleiben, oder der Schiffscounsellor Deanna Troi, die als emotionale Beraterin nicht nur dem Captain zur Seite steht, sondern ein neues mitfühlendes Element in die Serie mit einbringt. Es "menschelt" bei "Star Trek - The next Generation" und das im positivsten Sinne. Da ist der Androide Data, dessen größtes Ziel ist, wie ein Mensch handeln und empfinden zu können, da ist die Bordärztin Beverly Crusher (kurzzeitig in der zweiten Staffel ersetzt), die sich auch persönlich zum Captain hingezogen fühlt und da ist ihr Sohn, Wesley Crusher, ein Kind/Jugendlicher, der insbesondere den jüngeren Zuschauern eine ideale Identifiksationsfigur bietet.
Die Schauspieler agieren in der Serie von Staffel zu Staffel zunehmend souveräner, so dass man den Zusicherungen in den Making offs glauben mag, dass im Verlauf der Jahre eine kleine Familie entstanden ist, die sich auch außerhalb des Filmsets getroffen hat. Eine Ausnahme - von Anfang an - Patrick Stewart als Captain Picard. Er, derehemalige Shakespeareschauspieler, spielt in nahezu jeder Folge sein ganzes Können aus und hebt allein dadurch schon die Serie auf ein neues, höheres künstlerisches Niveau, was auch für die Storylines und technischen Effekte gilt.
Die Geschichten sind immer wieder interessant, bewegen den Zuschauer oft auch noch nach Ende der Folge. Natürlich gibt es auch den einen oder anderen Hänger, was aber den Gesamteindruck nicht schmälern kann. Sieben Staffeln und vier Kinofilme zeugen zudem davon, dass hier etwas Großes geschaffen worden ist.
Wenn auch der Abschied von der Originalserie für den einen oder anderen schwer gefallen sein mag, man bekommt mehr als einen guten Ersatz hiermit geliefert. An meinen Kindern kann ich das derzeit gut verfolgen. Nachdem wir gemeinsam die Folgen der alten Enterprise gesehen haben, gab es bei den ersten Folgen der neuen schon den einen oder anderen Protest, dieser verebbte aber zusehends und es folgte eine große Begeisterung, die ich mit meinen Kindern gerne teile.