Ein zweifelhafter Aspekt in nicht wenigen Horrorfilmen ist, dass Figuren nach einem extremen, oft traumatisierenden Ereignis am Ort des Geschehens bleiben oder gar dorthin zurückkehren. Das ist jedoch nicht die einzige Unstimmigkeit, mit dem das Werk des Italieners Alessio Liguori zu kämpfen hat.
Philip arbeitet als Korrektor von Zuhause aus, welches er seit zwei Jahren nicht mehr verließ. Als Kind wurde er Zeuge wie seine kleine Schwester von einer Entität geholt und getötet wurde. Nun scheint diese erneut um sich zu greifen…
Nach einem eher verhaltenen Einstieg im Jahr 1995, der veranschaulicht, was sich in Philips Kindheit abspielte und welche religiösen Einflüsse aufgrund der durchaus fürsorglichen Mutter im Spiel waren, wechselt die Geschichte in die Gegenwart und zeigt einen Typen, der kaum uninteressanter sein könnte. Ein langweiliger und gleichermaßen harmloser Eigenbrödler ohne Ecken und Kanten, wobei der Hang zur Religion geblieben ist und für kurze Zeit eine Frau im Spiel ist, die irgendwann per break spurlos aus dem Treiben verschwindet.
Ohnehin nimmt die Inszenierung einen arg kammerspielartigen Charakter an, da sich 98 Prozent aller Szenen in dem wenig einladenden Haus abspielen, welches weder unheimliche Ecken, noch atmosphärische Requisiten hervorbringt. Als es zwischenzeitlich zu einer Art Exorzismus kommt, ist immerhin ein Minimum an Bewegung im Spiel, doch über die Erscheinung einer alten Frau und einigen Flüsterstimmen kommt man kaum hinaus. Und dabei schwillt der Score zuweilen an, als würde der Leibhaftige nahen, wonach jedoch oftmals rein gar nichts passiert.
Folgerichtig nimmt das auf sehr wenige Figuren beschränkte Stück nie Fahrt auf, über harmlos in Szene gesetzte Messerstiche kommt der Blutgehalt nicht hinaus und lediglich der surreal anmutende Gang in eine Nebenlandschaft bringt für eine halbe Minute Abwechslung. Themen wie Psychologie im Kontext mit Religion werden nur oberflächlich behandelt, wobei es im letzten Drittel doch noch zu einem Twist kommt. Diese zunächst positive Entwicklung wird jedoch gleich darauf wieder infrage gestellt, was zwangsläufig Verwirrung stiftet und eigenen Interpretationsraum fordert.
Wirklich überzeugend performen die wenigen Mimen nicht, die Synchro ist größtenteils daneben und bei alledem kommen die Dialoge oft holprig und wenig realitätsnah rüber.
Die Sounduntermalung ist noch passabel, der Score eigentlich ganz okay, doch in vielen Momenten völlig unpassend eingesetzt, speziell zum Ende hin.
Wenn sich innerhalb der 93 Minuten keine Bindung zu einer der wenigen Protagonisten aufbauen lässt, ist die minimalistisch inszenierte Angelegenheit bereits zum Scheitern verurteilt. Die erzählerische Unentschlossenheit und die allgemeine Spannungsarmut geben dem Streifen den Rest.
3 von 10