Wie eine Mischung aus „The Village“ und „The Witch“ kommt die zweite Regiearbeit des Kanadiers Thomas Robert Lee daher, welcher auch das Drehbuch verfasste. Eines, das er besser noch etwas überarbeitet hätte.
1973 in einem ländlichen Gebiet in Nordamerika: Hier lebt eine Gruppe von gläubigen Menschen auf einfache Weise, ähnlich der Amish. Als Missernten und Krankheiten umgehen, bleibt nur Agatha verschont, die etwas abseits von der Gemeinschaft lebt und den Kirchgang meidet. Angst und Misstrauen gehen gegenüber der vermeintlichen Ketzerin um, die seit 17 Jahren eine Tochter verstecken soll…
Nach kurzen Erläuterungen per Text mag man sich so einigermaßen ausmalen, wie die einstigen Mitglieder der Church of Ireland ticken dürften, wonach die Menschen einzig auf ihren Grundbedarf ausgerichtet sind. Die zeitliche Verortung der 70er ist völlig irrelevant, denn das Setting könnte auch 200 Jahre zuvor hinkommen, - ein Ort mit Menschen aus einer völlig anderen Zeit.
Insofern ist der Einstieg gelungen und es wird eine leicht unheilvolle Atmosphäre etabliert. Als sich Neid und Missgunst gegenüber Agatha konkretisieren, während ihre Tochter Audrey versteckt im Pferdewagen hockt, kommt erstmals so etwas wie Spannung auf. Doch spätestens, als Audrey völlig ohne Kontext in einem Zirkel einem Ritual unterzogen wird, tauchen regelmäßig Fragezeichen auf, denen im Verlauf kaum entgegen getreten wird: Für einige Vorgänge gibt es weder Hintergründe, noch Erklärungen und obgleich nicht immer alles ausformuliert werden muss, fehlt es mancherorts an den simpelsten Zusammenhängen.
Dass die titelgebende junge Dame noch ein wenig aktiver mitmischt, versteht sich von selbst, doch Lee lässt sich phasenweise extrem viel Zeit, bis das Drama überhaupt so etwas wie Horror zulässt, zumal noch Anleihen eines typischen Coming-of-Age einfließen. Hinzu gesellt sich ein zuweilen fast meditativer Score und die Tatsache, dass die Chose über weite Teile kaum relevante Ereignisse liefert. Von Action ist man natürlich meilenweit entfernt und wenn Leute in prekäre Situationen geraten, geschieht dies zumeist auf recht unspektakuläre Weise, was locker mit einer FSK 16 einhergeht.
Hinsichtlich der treffend besetzten und solide performenden Mimen und dem insgesamt passablen Handwerk ist das schade, doch gegen Ende verzettelt sich der Stoff immer mehr, wobei selbst die Pointe und die letzten Einstellungen nebulös anmuten. Das viel zu gemächliche Erzähltempo ist auch nicht gerade förderlich und so kann man sich das Werk allenfalls als leichtes Schlafmittel einverleiben.
4 von 10