Blumhouse ist das Powerhouse in Sachen Grusel und Horror des frühen 21.Jahrhunderts – das ist inzwischen schon Allgemeingut: eine Firma, die mit kleinen Budgets, aber interessanten Ideen praktisch am Fließband Horrorstoffe produziert, die dann – vor allem auch bei den jüngeren Zuschauern – riesig abräumen.
Wie es aber nun mal so ist, wenn man erst mal groß ist, dann probiert man alles Mögliche – so wie im Fall von „Welcome to the Blumhouse“, einer filmischen Anthologie, die von Amazon für „Blumhouse Television“ produziert wurde, acht Filme, zu „klein“ fürs Kino, aber geeignet für einen freundlichen Streamingabend…hoffte man…
„Evil Eye“ war der dritte der insgesamt acht „Welcome to the Blumhouse“-Produktionen und trägt einen indischen Schleier um sein Mysterium.
Im Fokus steht eine indische Familie, deren Tochter Pallavi mit fast 29 Jahren trotz guter Ausbildung in den USA (der Film schwenkt über zwei Drittel zwischen den Schauplätzen USA und Delhi hin und her) nicht als gut vermittelbar erscheint und die man gern verheiratet sehen würde, wogegen die Tochter sich etwas entgegen der Traditionen wehrt, indem sie das Thema meidet, wo es nur geht, immerhin liegt ein Ozean zwischen ihnen.
Das ändert sich, als dann mit dem schmucken Sandeep tatsächlich eine Zufallsbekanntschaft auf der Schwelle steht, die wirklich Pallavis Interesse erweckt – doch einzelne Anzeichen, die fast gänzlich auf Erzählungen und Telefonaten beruhen, weisen darauf hin, dass man ausgerechnet mit diesem Kandidaten ganz und gar nicht einverstanden ist, zumindest Pallavis Mutter Usha.
„Evil Eye“ hat einen sehr entspannt erzählenden Aufbau, nachdem man vor den Titeln mit einer Tragödie angeteasert wird, die man dann den halben Film mit sich herum trägt. Und das ist dann auch die größte Schwäche dieses 90-Minüters, denn erst mangelt es ihm an Fokus, dann verliert er sich zunehmend in längeren und leider bisweilen repetitiven Gesprächen, wobei vor allem die zwischen Ehefrau und Ehemann zeitraubendes Gerede sind, während man als Zuschauer wieder mal lange vor dem Narrativ erahnt, wie Teaser und aktuelle Situation zusammen gehören.
Wenn dann die Maske nach gut einer Stunde endlich fällt, ist die Publikumsgeduld auch schon erschöpft, man will endlich harte Fakten schaffen und das funktioniert nur, als man die drei zentralen Charaktere endlich unter einem Dach versammelt. Erst in den letzten 20 Minuten entwickelt der Film die nötige Intensität für die Wahrheit und den damit verbundenen Kampf, erzählt die im Kern sehr überschaubare Story dann aber nur gradlinig zu Ende, von der mäßig überraschenden Schlusspointe mal abgesehen.
So gerät auch der dritte Film in die Falle, als Spielfilm präsentiert zu werden, aber problemlos – und vermutlich besser – auch als 45minütige Serienfolge zu funktionieren, ohne an Punch zu verlieren, sondern evtl auch noch zu gewinnen.
Der Film gehört somit fast ausschließlich Sarita Choudhurys Usha nach den ersten paar Minuten, als noch Sunita Mani als Pallavi im Mittelpunkt zu stehen schien – und der Dritte im Bunde, das Mahnmal für männlich-deformierte Besitzansprüche (die angesichts des Altersunterschieds in der modernen Handlung sowieso ein wenig komisch wirken), ist eben nur ein Chiffre für eine veraltete übermaskuline Weltsicht, die immer wieder zu Femiziden führt.
Insofern ist der Film wichtig, aber unoriginell arrangiert, richtet sich vor allem an ein weibliches Publikum, wendet sich aber nicht an entwicklungsfähige Figuren, sondern optet für die konfrontative Lösung, welche dann beklemmend, gewalttätig und folgerichtig ausgeführt ist, das Finale kulminiert in einer beklemmenden Menage-a-trois.
Wirklich neue Erkenntnisse oder erzählerische Kniffe werden leider nicht angewandt, der Film ist mit einem Ein-Satz-Summary bei imdb praktisch vollumfänglich beschrieben. Abgerundet, aber eben dann doch etwas farblos. (5,5/10)