Review

Leute, wir machen das jetzt ganz professionell:
Der Film ist mit Jim Carrey. Findet Jim Carrey jemand nicht lustig? Gut, ihr braucht euch dann um diesen Film auch nicht zu kümmern. Dreht sich hundertpro nur um ihn.

Was braucht man also noch für einen typischen Carrey-Film? Ein Vehikel namens Handlung!
Here’s the Pitch: Unzufriedener, karrierefixierter TV-Reporter fordert wegen Pechsträhne Gott heraus und bekommt von dem dessen Kräfte und nach einer Spaßphase auch dessen Pflichten, vernachlässigt aber seine Freundin und lernt am Ende, daß ihm die Liebe über alles geht.

Ach nee, kennen wir das nicht schon, zumindest vom Konstrukt her? Klar, und die Chose mit Gott und Co. hatten wir im „Film Blanc“ schon in den 40ern und in den 70ern nochmal. Schön, solche Gutmenschenfilme können gut tun.
Und Carrey gibt sich Mühe, zieht dermaßen vom Stapel, daß kaum ein Auge trocken bleibt. Zumindest den halben Film lang, von den Enttäuschungen und Frustrationen bis zum Ausnutzen der göttlichen Kräfte.
Einiges davon ist wirklich als Brüller legendär, z.B. der vernichtende Live-Kommentar auf dem Schiff an den Wasserfällen, der jeden Fiesheitspegel auf ewig nach oben verschiebt oder die dramaturgische (und witzige) Intensität der Suppenteilszene, die Charlton Hestons Rotes Meer locker hinter sich läßt. Manches ist platt (der Affe aus dem Hintern), funktioniert aber trotzdem.

Bis kurz nach der Halbzeitmarke bleibt der Film auf 90-Prozent-Kurs, zumindest was den Komödienfaktor anbetrifft. Dann allerdings fängt die Schlittenfahrt an, denn obwohl wir von Anfang an erwarten können, daß die Karriere nicht so wichtig und die Freundin die bessere Wahl ist und somit reichlich skurile Einfälle noch geschehen könnten, verflacht der Film total.
Brucie verdödelt den richtigen Verlobungszeitpunkt und knutscht dann eine andere, was uns aufgrund seiner sonstigen Abwesenheit in Bezug auf seine Umwelt nicht so logisch erscheint.
Die diversen eingestreuten Zeichen und Rettungsversuche sind zwar nett, aber Bill Murray war auf derselben Schiene in „Groundhog Day“ wesentlich origineller und interessanter und der hat keine Wolken verschoben und Vögel dirigiert.

Ganz schlimm wird’s auf der Schlußgeraden als Tom Shadyac, der schon „Im Zeichen der Libelle“ in den Sand gesetzt hat, den Film in sülziger Suppigkeit und einer Gefühlssoße ohnegleichen ersäuft, die so geschmacklos übertrieben daherkommt, daß man sich wundert.
Immerhin transportiert der Film seine Gottesbotschaft nicht extra christlich, aber einen jaulenden Carrey, der Gott im Regen um Verzeihung anheult, wollen wir wirklich nicht sehen, im Gegenteil, der ist uns als Komödienbesucher eigentlich unangenehm.
Und wenn denn schon dolles Happy-End, dann wenigstens so turbulent wie angemessen, wie z.B. in dem ebenfalls leicht unausgewogenen, aber im Vergleich zum aktuellen Film geradezu wunderbaren „Liar Liar“ (der deutsche Titel kommt mir hier nicht über die Tastatur).

Denn am meisten hat der Film mit seiner erzählerischen Verflachung zu kämpfen, was wieder einmal zeigt, daß ein Drehbuch erst dann verfilmt werden sollte, bis es ein Mensch mit Ideen und Geschmack zuende gedacht hat.
Im empfehle jedem, nach der Zweidrittelmarke zumindest den Ton wegzudrehen, dann ist das Ergebnis nicht ganz so entsetzlich nach Art des Good-old-American-Boy, den auch Frank Capra nicht zuckriger hinbekommen hätte. Wegen einer monumentalen ersten Hälfte gerade noch 6/10.

Details
Ähnliche Filme