Ich habe mich aufrichtig für Carrey gefreut, als sich so langsam die ersten Zuschauerreaktionen auf "Bruce Allmächtig" zeigten, welche im Großen und Ganzen doch recht positiv waren. Es hieß, der Meister der Grimassen mache wieder das, was er am besten könne; was also Filme wie "Ace Ventura", "Die Maske", "Dumm und Dümmer" oder "Der Dummschwätzer" so erfolgreich machte.
Nun... ich verstehe, was die Zuschauer gemeint haben. Die alte Klasse blitzt in verschiedenen Szenen immer mal wieder auf. Ein paar richtige Schenkelklopfer bietet Regisseur Shadyac mit seinem Star auf. Das "Trompetenspiel" etwa ist ein ebenso beiläufiges wie geniales Meisterstück des latenten Sarkasmus. Und wie Bruce mit den kamera-unerprobten Bäckern des größten Kekses der Welt umgeht, hat auch Klasse. Man sieht, dass hier die gute alte Situationskomik wieder in großen Lettern geschrieben wird. Und das ist es, was Jim Carrey wirklich kann: Improvisation.
Auch die etwas flacheren Witze ziehen, teilweise sogar mehr als alles andere. Ich persönlich habe mich vom Stuhl geworfen bei der doch recht primitiven Szene mit den "Versprechern" von Bruce`s Rivalen, der dann übrigens seinerseits auch zeigt, was für eine Klamaukgranate in ihm steckt.
Jetzt kommt das große Aber. Dieses Aber betrifft den Rahmen, die Geschichte, oder besser gesagt: deren Umsetzung.
Die Story um einen Pechvogel, dem in seiner Qual der Kragen platzt und die Schuld an allem Gott gibt, woraufhin dieser ihm für eine gewisse Zeit den "Job" als Gott gibt, hört sich zunächst mal sehr vielversprechend an. Ansatzweise wurde auch gut mit den Möglichkeiten gespielt. Wenn Bruce die Suppe teilt wie einst Moses das Meer, dann ist das eine dieser Szenen, die einem im Gedächtnis bleiben.
Aber was wollen wir keinesfalls in einer Carrey-Komödie sehen? Richtig, Schmalz. Und ich kann nur sagen, bis der Film zu Ende war, war ich fast im Schmalz ertrunken. Das Schmalz reichte mir buchstäblich bis zum Hals. Mag sein, dass es für die Kleinen eine schöne Sache ist, etwas aus dem Film mitzunehmen. Das können sie auch, denn hier wird dem Zuschauer eine von grundauf simple Moral unter die Nase gerieben, die nicht einmal einem Kleinkind entgeht: "Bestimme dein Schicksal selbst". Würg! Wo ist hier der Jim Carrey-Old-School-Style? Man erinnere sich an "Dumm und Dümmer" oder an "Der Dummschwätzer". In beiden Fällen war die Comedy, die ja ganz offensichtlich auch von Bruce ausgeht, oberstes Gebot. Die Liebesgeschichten - hier zwischen Lloyd und Mary (wenn auch nur einseitig), dort zwischen Fletcher Reede und seinem Sohn - waren jeweils nur der Aufhänger für eine Serie von Lachkrämpfen. Aber in "Bruce Allmächtig" wird eben gerade diese Sentimentalität mitunter allmächtig. Da hat die Comedy für den Augenblick nix mehr zu mucken. Und von einem Carrey-Film erwarte ich, dass so etwas zu keinem Zeitpunkt passiert.
Morgan Freeman unterstreicht diesen unglücklichen Umstand noch in seiner Rolle als Gott und zugleich als Moralapostel erster Güte. Zugegeben, in einigen Momenten erhascht man so etwas wie Erhabenheit in seinen Gesichtszügen; eine Erhabenheit, die sich aus seiner Gleichsetzung mit den Menschen ergibt (er ist in seiner "Firma" sowohl Hausmeister als auch Boss) - trotz blütenweissem Anzug. Insgesamt ist dieses Getue für den aufgeklärten Cineasten aber eher als besserwisserisch mit der Tendenz zur Großkotzigkeit einzuschätzen, so nach dem Motto: "Hier bitte, mach meinen Job. Nachher kommst du auf allen Vieren zurückgekrochen, so dass ich dich mit meiner Moral endgültig niederstrecken kann. Buahahaha." Okay, vielleicht übertreibe ich hier ein wenig. Ich will damit nur sagen, dass die mit Schmalz überzogene Moralpredigt für einen Erwachsenen einfach ein bisschen zuviel des Guten ist.
Dazu sei auch noch kurz der Bettler erwähnt, der auf seinen Schildern immer Botschaften hochhält. Dies mag als innovative Metapher gedacht sein, als kreatives Medium zur Übermittlung der Botschaften. Ich weiß die Bemühungen auch zu schätzen, aber meiner Meinung nach wirkt das im Film einfach nur kitschig und albern.
Was ich zuletzt - um noch kurz auf die visuelle Gestaltung zu sprechen zu kommen - noch etwas enttäuscht zur Kenntnis genommen habe, sind die teilweise miesen Effekte. Es gibt derer nicht viele, darum ist das auch nicht so wichtig, aber hier wird auf die simpelsten Tricks zurückgegriffen, die keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken können. Natürlich soll "Bruce Allmächtig" kein Effektespektakel sein, aber dann lieber ganz drauf verzichten. Während etwa die Mondszene oder die Teilung der Suppe noch ganz nett anzusehen sind, sieht etwa das geisterhafte Verschwinden von Gott auf dem Meer oder das Gesichtsmorphing mit dem Bettler am Ende einfach nur dumm aus.
Was ich aus dem Film mitnehmen konnte, waren viele witzige Stellen, in denen der alte Carrey wieder voll da war. Er bringt sowieso eine gute Leistung; gegen die Schmalzeinlagen kann er halt auch nix tun. Dennoch habe ich zwei- oder dreimal wirklich kaum noch Luft gekriegt vor Lachen. Jennifer Aniston ist eine Süße, die man gerne in Filmen sieht, aber wie so oft mag sie einfach nicht so recht ins Spielfilmgerüst passen. Vielleicht denkt man einfach noch zu oft an die gute Rachel aus "Friends".
Ohne die emotionale Entladung vor allem in der zweiten Hälfte wäre es wirklich wieder ein Film geworden wie in alten Zeiten. So bleibt ein Wechselbad der Gefühle übrig. Man weiss nicht so recht, was man davon halten soll. Am besten selbst beurteilen. Von mir kriegt er
5/10
P.S. eine Bemerkung am Rande: ein kleines Schmankerl wird den Carrey-Fans doch noch geboten. Es dürfte bekannt sein, dass er als Schauspieler weg von seiner Grimassenkomik wollte. Bei etwas ernsteren Versuchen wie etwa in "Der Mondmann" oder "The Majestic" scheiterte er aber kläglich. Wenn man drauf achtet, spielt Carrey in "Bruce Allmächtig" mit seinem eigenen Image. So ist er am Ende des Films wieder, wo er vorher war: bei den Reportagen über irgendwelche Landeier und ihre Erfindungen, anstatt bei den Livereportagen, die er eigentlich machen wollte. Er fügt sich dem Willen seiner Zuschauer.
Man ersetze also die Reportagen über Landeier mit altbewährter Comedy und die Livereportagen mit seinen ernsthaften Schauspielambitionen, und was bekommt man? Richtig: die Hoffnung auf ein paar zukünftige Carrey-Filme mit altbewährter Grimassenkomik.