Ja, super: Bruce Willis rettet die Welt und wir alle dürfen zusehen. Ein furioses Action-Spektakel sollte es werden, und allen Fans trat schon das große Sabbern ins Gesicht.
Und siehe da: es wurde ein großes Actionspektakel, doch die Meinungen waren geteilt.
Denn die eine Hälfte der Fans schunkelte selig ob des optischen Dauerfeuers, die andere jedoch, die ein wenig Wert auf eine durchdachte Handlung, die eine oder andere Überraschung und die Abwesenheit hunderter Klischees legte, sah sich in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt.
Natürlich ist Armageddon das visuelle Equivalent einer Stalinorgel im Vollrausch: Dauerfeuer und immer auf die Zwölf. Doch derjenige Zuschauer, der sein Gehirn zwar an der Kasse abgegeben hat (was durchaus berechtigt ist), es jedoch unbedingt auch wiederhaben will, verspürt spätestens ab der Hälfte des Films eine gewisse Müdigkeit. Da machen sich bereits Abnutzungserscheinungen bemerkbar, wenn man die Stakkato-Schnitte dieses SF-Actioners einfach nicht mehr erfassen kann und will, weil das Leinwandgeschehen keine Steigerung mehr zu bieten hat.
Am Anfang ist das Geplänkel zwischen Willis und seiner Tochter noch ganz witzig, doch schon das Allzweck-Crashkus-Astronauten-Bohrteam ist eine abgenutzte Idee, der nicht mehr viel Neues abgewonnen werden konnte.
Schon jetzt ahnt man das Dilemma zwischen Tyler, Affleck und Willis auf das der Komet zurast, doch noch steht ja die Rettung der Welt auf dem Plan.
Gar ärgerlich wird dann aber schon die Katastrophe auf der MIR. Storemare gibt den Klischee-Russen (für Amis)und was da neben den Explosionen abläuft, ist völlig unübersichtlich. Da bieten dann weder die Landungen, noch das Bohrunternehmen noch Spannung. Lediglich die Routine-Sequenz mit der Vorab-Sprengung bringt den Puls in Wallung. Auch das Exzentrikteam mit nahezu Weltklassebesetzung hat kaum zu tun, so daß wir auf ein herzig-sirupsüßes Happy-End zusteuern, bei dem Brucie die Welt retten darf incl. Abgeben des eigenen Löffels.
An Klischees wird hier nicht gespart: der doofe Russe, die toughen Amis, die bornierten Astronauten, doofe Militärs, ein Feigling als Präsi, Drehbuch-hindernisse aus dem Grundschulbaukasten, der ungnädige Papi, das junge Paar, die Hand am Bildschirm zum Abschied, und überall wo man hinsieht, die amerikanische Flagge. Letztere ist so aufdringlich, daß das Popcorn kaum drin bleiben will.
Alles in eine Form geschüttet und mit Actionelementen überladen in der Hoffnung, den Scheiß wird schon niemand entdecken.
Leider haben die Macher hierbei Recht behalten: Für manche genügt eben der Dauerbeschuß für den Sehnerv; die ärgern sich halt nicht über Klischees, logische Fehler oder andere Hirnlosigkeiten.
Für den Rest war das höchstens alles gerade noch akzeptabel, aber auf den Fehler rumreiten wollten sie doch.
Ein nachträgliches Ärgernis, das hoffentlich nicht mehr wiederholt wird.
Leute, versteht mich nicht falsch: das hätte der Kracher des Jahres werden können, wenn sie dem Publikum mal Luft gelassen hatten. Aber das war unter Plattheit und Sirup längst erstickt.
Manchmal sind 5/10 schon der Bodensatz.