Ein Amerikaner rettet die Welt. Darin besteht der Sinn dieses Films. Die langsam altbackende Geschichte um den unscheinbaren amerikanischen Mann, der sich selbst opfert, um die Welt zu retten, wird einmal mehr gnadenlos aufgewärmt, allerdings in einem bis dato völlig neuen Mantel.
Und hierbei handelt es sich um einen Sci-Fi-Katastrophenfilm, Michael Bay führt Regie und es ist das geworden, was alle befürchtet haben: Das allseits beliebte Thema "Der Ami ist doch einfach toll". Und damit startet Bay einen furiosen Film, der jedoch kaum ohne Klischees auskommt. Das geht los bei Hauptdarsteller Bruce Willis. Das "Schlitzohr" agiert hier in seiner bewährten Art, stellt aber trotzdem den zornigen Papi da, der jeden abknallt, der sich seiner Tochter auf wenige Zentimeter nährt. Da kramt Willis gerne mal die Schrotflinte aus der Kammer und geht mitten auf einer Ölbohrinsel auf Jagd.
Derweil fliegt ein unglaublich großer Asteriod auf die Erde zu, mit der wahnsinnigen Größe von Texas. Das würde den sicheren Tod bedeuten, aber die NASA will diesen Schuh nicht anziehen und plant eine mörderische Aktion: Jemand soll ins All fliegen, in den Asterioden ein Loch bohren, um dann eine Bombe hineinzuwerfen. Dadurch würde der Komet in zwei Teile brechen und ginge haarscharf an der Erde vorbei. Nun ist es naheliegend, das man hierfür einen professionellen Bohrer holt, und so kommt es letzendlich, dass die NASA den Ölbohrer Willis alias Harry Stamper an Bord holt. Der willigt ein, ist aber von dem Team, dass er zur Verfügung gestellt bekommt, so gar nicht angetan und fordert, dass er seine eigene bevorzugten Männer ins Boot holen kann. Die NASA willigt ein.
Das Team besteht natürlich nur aus Amerikanern. Wer anders sollte auch die Welt retten? Europäer, Australier? Pah!
Die Gruppe besteht aus den üblichen Witzereißer, smarten Schönlingen und selbstredend dem Quoten-Afro, damit man wenigstens noch eine andere Schublade von Zuschauern öffnen kann. Aber ein kleines Problem besteht dann doch - so sympathisch die Teilnehmer auch sein sollten (Allen voran Owen Wilson), so gezwungen lustig werden sie im Drehbuch dargestellt. Da gibt es kaum eine Szene, in der nicht irgendeiner von denen einen mäßigen Witz raushaut, der selten zur Situation passt. Besteht die amerikanische Welt nur aus schlechten Komikern?
Nun ist Michael Bay auch so ein Mensch, der selbst die blödeste Szene möglichst schmackhaft in den Mantel einer oppulenten Kulisse packt, damit man gar nicht erst Sinn und Zweck hinterfragt. Noch heute hängt mir jene Passage im Kopf, in der Owen Wilson sinnfrei auf einem Pferd im Sonnenuntergang reitet und hinter ihm zwei Helikopter aus dem nichts erscheinen. Dann gibt es natürlich noch eine Nahaufnahme von Wilsons wackelndem Gesicht, damit man gar nicht erst merkt, dass er nicht selbst reitet. Auch viele anderen Szenen sind außen hui, innen pfui. Vor allem am Anfang, als ein paar Kometen auf New York zusteuern, geht Bays Rechnung mal wieder voll auf. Da ist der schwarze "Ey-Yo-Man" Charakter mit seinem Köter, der sich mit einem Verkäufer auf der Straße streitet. Plötzlich kommt ein Komet und trifft den Verkäufer frontal. Alles liegt in Schut und Asche, Rauch beherrscht die Straße, Leute schreien. Wer hat überlegt? Der farbige Sprücheklopfer, der noch an seiner Leine zieht, wo sein Hund dran sein müsste. Nun darf man doch erwarten, dass der Hund tot sei... nein, er hängt lebend in dem Loch, dass durch den Komet verursacht wurde. Eine Hinterfragung dieser fragwürdig-dämlichen Szene lass ich lieber, am Ende wird noch gesagt, dass der Hund leben bleiben musste, damit die patriotischen Kinder im Kino jubeln können.
Wie gesagt, zumindestens die Gestaltung ist großartig geworden und weiß durchaus zu gefallen. Wenn Willis und sein Team dann ins All fliegen, darf natürlich auch hier das ein oder andere Klischee nicht fehlen. Spätenstens bei der Raumstation "MIR" schlägt die Vorurteil-Sirene Alarmstufe Dunkelrot, wenn uns hier ein Russe der üblen Sorte vorgestellt wird: Eine fluchende Person mit sympathischen Akzent und gespaltener Meinung über Amerikaner. Auweia. In dem Sinn geht in der Raumstation auch alles schief, was schief gehen kann. Man will dem Zuschauer ja möglichst viele Explosionen bieten.
Einigermaßen unterhaltend ist das aber schon alles, jedenfalls geht der Film in einem Rutsch vorbei, und wenigstens 20% der vorkommenden Witze sind lustig. Am Ende stirbt natürlich wieder der ein oder andere, wirklich leid tut das aber bei Bruce Willis, der wohl zum ersten mal in der Filmgeschichte weint. So altbacken die Szene auch sein mag, in der er sich über Bildschirm von seiner Tocher verabschiedet, emotional ist sie ja schon. Und der wunderbare Titelsong von Aerosmith tut auch vieles, um dem Film doch auch eine höhere Ebene zu lagern.
Aber die patriotische Unternote ist dennoch überall spürbar. Michael Bay schuf wieder so einen dieser Filme, der richtig toll sein könnte, wenn er von einem gedreht worden wäre, der die USA nicht für den Garten Eden hält. Im Nachhinein noch die drei Punkte, denen sich Michael Bay immer bei einem Film widmet:
1. Der Amerikaner ist allen überlegen.
2. Der Rest der Welt ist unwichtig.
3. Explosionen und lauter Krach sind wichtiger als Sinn
Ich möchte den Film natürlich nicht schlecht reden, denn er ist unglaublich unterhaltsam und schön kurzweilig, trotz seiner langen Laufzeit. Aber ich kann mich über übertriebenden Patriotismus wirklich lange aufregen.
Fazit:
Spannender Ausnahme-Katastrophenfilm, mit gut aufgelegten Schauspielern und der ein oder anderen atemberaubenden Szene. Die amerikanische Flagge über der Produktion kann die Begeisterung aber schon etwas trüben.
7/10