Mit „Armageddon – Das jüngste Gericht“ zelebriert Michael Bay eine unglaublich unterhaltsame Zerstörungsorgie für alle Freunde des anspruchslosen Crash Boom Bang Kinos.
Schon zu Beginn präsentiert uns Bay ordentliche Verwüstung als ein Hagel von Meteoriten auf New York runtergeht und dabei diverse Hochhäuser tieferlegt, ganze Straßenzüge verwüstet etc. Und schon hier wird klar: Das Motto lautet „Klotzen, nicht kleckern“. Und bei entsprechendem Medium (am besten natürlich im Kino) macht der Budget-fressende Opener richtig Laune. Zudem gibt es noch einen fiesen Seitenhieb auf den Blockbuster-Konkurrenten in dem Jahr, nämlich „Godzilla“. Allerdings erkennt die NASA, dass dieser kleine Schauer nur die Vorhut eines Meteoriten ist, dessen Aufprall die ganze Erde vernichten wird.
Sprung zu einer Bohrinsel irgendwo im Ozean, wo das einzige Individuum mit genug Testosteron im Blut lebt, um gigantischen Felsen aus dem All die Stirn zu bieten: Harry Stamper (Bruce Willis). Der Ölbohrer probt seinen Abschlag am liebsten, indem er Greenpeace Boote mit Golfbällen bepflastert und ist auch im Bezug auf seine Tochter Grace (Liv Tyler) ähnlich umgänglich: Als er herausfindet, dass sie den Bohrer A.J. Frost (Ben Affleck) liebt und eine Affäre mit ihm hat, schnappt sich Daddy seine Schrotflinte und nietet den Schwiegersohn in spe beinahe um. Hier wird dem Zuschauer bereits klar, dass man „Armageddon“ nicht allzu ernst nehmen sollte, denn es geht sehr humorvoll zu. Gut so, denn ohne diesen wäre vermutlich ein stinklangweiliges Trauerspiel wie „Deep Impact“ dabei rausgekommen.
Die NASA sackt Harry auch schnell ein, denn sie hat beschlossen eine Expedition auf den Asteroiden hoch zu schicken, dort zu bohren und in diesem Schacht eine Atombombe zu versenken, um das Biest zu sprengen. Harry soll die Astronauten dafür ausbilden, doch dieser erklärt, dass man sein Bohrwissen nicht in wenigen Tagen weitergeben könne. Doch es wird ein anderer Versuch gestartet: Harry und seine Crew bekommen ein Astronautentraining verpasst, um die Operation durchzuführen...
Michael Bays Riesenhit bietet sicher nicht viel fürs Hirn und dementsprechend ist auch die Story ausgefallen. Denn an sich ist die Mär von der Weltenrettung recht vorhersehbar und auch das Happy End ist gewiss; lediglich die Frage wer abnippelt und wer überlebt, ist nicht von Anfang an klar. Allerdings geht es wie so oft bei Popcornfilmen um das wie der Erzählung und da gibt es für Fans von Michael Bay nichts zu meckern. Denn in feinster Optik präsentiert er den Streifen, so dass auch eher uninteressante Szenen schmackhaft. Auf diese Weise werden auch kleinere Storylängen überspielt. Auf die Tatsache, dass vieles unlogisch und unglaubwürdig ist, achtet bei dieser Art von Film wohl eh kaum jemand.
Zudem wird die Story mit einer gehörigen Portion Humor aufgelockert, was vor allen den schrägen Nebenrollen zu verdanken ist. Bestes Beispiel ist die obligatorische Steve Buscemi Rolle, aber auch Michael Clarke Duncan als freigeistiger Hüne steht für den eigenwilligen Humor des Films. Aber auch ein wenig gefühlvoll ist Bays Film, z.B. in den Szenen, in denen ein Astronaut seine geschiedene Frau und sein Kind vor dem Abflug besucht oder das Ende. Teilweise wirkt das natürlich etwas kitschig, aber dennoch schafft Bay es, dem Ganzen den richtigen herzerwärmenden Touch zu geben.
Mit zunehmendem Filmverlauf krachtet es dann auch immer mehr, denn nach dem eher humororientierten Astronautentraining und den Vorbereitungen auf den Flug, geht es ins All. So häufen sich kleinere, natürlich absolut jugendfreie Actionszenen und bombastische Effekte der absoluten Spitzenklasse, die jede Menge fürs Auge bieten. Auch wenn diese Szenen nicht mit echter Action mithalten können, so sind sie dennoch wirklich atemberaubend in Szene gesetzt worden.
Bruce Willis spielt in „Armageddon“ so wie seine Fans ihn lieben: Schnoddrig, zynisch und ein wenig abgewrackt, aber ein Typ, den man einfach gernhaben muss. Dementsprechend positiv ist auch seine Leistung zu vermerken, auch wenn sie an sich keine großen schauspielerischen Ansprüche an ihn stellt. Liv Tyler gibt ebenfalls eine überzeugende Performance und auch Ben Affleck ist ganz gut, wirkt aber etwas blass zwischen den anderen, erfahrenen Schauspielern. Denn in Nebenrollen sind unter anderem Steve Buscemi, Billy Bob Thornton, Michael Clarke Duncan, Will Patton, William Fichtner, Peter Stormare und Owen Wilson zu sehen, die auch alle (für Popcorn-Maßstäbe) gute Leistungen erbringen. In einer kleinen Rolle ist übrigens auch Michael Bay selbst zu sehen.
Alles andere als hochgeistiges, aber wuchtiges und fetziges Popcornkino für alle Fans von hoch budgetiertem Crash Boom Bang. Allerdings macht dieser Film vor allem im Kino auf opulenter Leinwand Spaß, da kommen die meisten anderen einfach nicht mit.