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"Armageddon" vom Gespann Michael Bay (Regie) und Jerry Bruckheimer (Producer) startete seinerzeit fast zeitgleich mit dem Film "Deep Impact" von Mimi Leder. Während letzterer sich auf die Charaktere und ihren Umgang mit einer interstellaren Katastrophe konzentrierte, ließ es "Armageddon" einfach nur krachen.

Die Story: Ein riesiger Asteroid rast auf die Erde zu. Er besitzt die Größe von Texas und ist damit ein "globaler Killer", der alles Leben auf der Erde auslöschen wird. Was also tun? Die NASA um Director Truman (Billy Bob Thornton) geht verschiedene Szenarien durch, bleibt dann aber bei der Idee hängen, ein Loch in den Asteroiden zu bohren und ihn mit einer Atombombe zu sprengen, bevor er eine bestimmte Linie überquert hat. Dazu benötigt man Harry Stamper (Bruce Willis) und seine Crew (u.a. Ben Affleck, Steve Buscemi, Owen Wilson), die besten Bohrspezialisten der Welt. Diese willigen ein, sich innerhalb weniger Tage zu Astronauten ausbilden zu lassen und das "Ding aus dem All" zu sprengen.

Vor kurzem habe ich einen Artikel gelesen, der sich mit der Abwehr von Asteroiden beschäftigte, und darin war die Überlegung, ein Loch in einen Flugkörper zu bohren und anschließend zu sprengen, nicht abwägig. Möge man nur zweierlei hoffen: Erstens, dass es nie zu solch einer Situation kommt, und zweitens, dass niemals die Amerikaner die Rettung des Planeten übernehmen werden (wobei ich das leise Gefühl habe, genauso würde es kommen).

Hinter die kurz zusammengefasste Story müsste man eigentlich mehrere (!) setzen, denn sie ist so an den Haaren herbeigezogen und willkürlich zusammengekleistert, worauf ich mich frage, was die Drehbuchautoren (u.a. J.J. Abrams) eigentlich im Kaffee gehabt haben. Aber seien wir auch ehrlich. Wie viele Katastrophenfilme haben logisch-nachvollziehbare Geschichte zu erzählen...
"Armaggedon" versucht auch erst gar nicht, seinen Plot in irgendeiner Form wissenschaftlich aufzuziehen. Dass es in dem Film so etwas wie ein Weltall gibt, ist wohl das einzige Körnchen Wahrheit an der Geschichte, wie es ein Kritiker mal so passend beschrieb.
Ansonsten verfährt der Film mit den Regeln der Logik, wie auch der Schwerkraft und hundert weiteren Fakten zum All mehr als freizügig. Gerade die Logik und Plausibilität wie derart weit gestreckt, dass der Film manchmal sogar als Parodie auf andere Katastrohenfilme durchgehen kann.

Aber was will man bei einem Film von Michael Bay auch erwarten? Unterhaltung natürlich, keine dokumentarische Inszenierung. Und natürlich Pathos. Mit diesem überzieht der Regisseur den Film an einigen Stellen dermaßen, dass man als Zuschauer kaum noch Luft bekommt. Alles was passiert, wird heroisiert, die gesamte Weltraummission mit den Menschen weltweit, die dafür beten, die einzelnen Astronauten, manchmal sogar der Asteroid selbst. Hier hat sich Bay weit aus dem Fenster geleht, dagegen ist das Pathos in "Pearl Harbor" (2001) fast noch erträglich. Nicht ganz unschuldig daran ist auch der dementsprechend effekthascherische Score von Trevor Rabin, der fast ununterbrochen dudelt.

Wie eingangs beschrieben, rummst und kracht es in "Armageddon" vor allem, und das gewaltig. Schon der Auftakt in New York, wo das Empire State Building kurzerhand mal kleiner gemacht wird, ist beachtlich in Szene gesetzt. Und es sollte nicht die letzte Zerstörungsszene sein. Für Leute, die die französische Hauptstadt nicht mögen, ist der Film eine Offenbarung.
Die Effekte im Film sind unter heutigen Gesichtspunkten gut, aber nicht mehr überragend wie seinerzeit. Mit der heutigen Computertechnik würde wohl manches anders oder besser aussehen. Aber gerade der Asteroid ist immer noch einen Blick wert, genauso wie manche Zerstörungen.

Und die Figuren und ihre Darsteller? "Armageddon" hat ungemein flache Figuren, bei denen lediglich Truman und Stampers Tochter Grace (Liv Tyler) sich ein wenig abheben können. Allerdings ist diese Flachheit keineswegs nervig, denn die Dialoge (sofern sie nicht direkt die Story betreffen) sind witzig geschrieben und vor allem Steve Buscemi darf als durchgeknalltes Genie mal richtig abgehen. Bruce Willis hat für seine Rolle ja einen "Razzie" bekommen. Ob dies gerechtfertigt ist, lässt sich zweifelsohne bestreiten, aber wirklich schauspielern tut Willis nicht. Er ist betont cool, manchmal auch wenig selbstgefällig. Die anderen Figuren und ihre Verkörperungen, wie beispielsweise Michael Clarke Duncan oder Owen Wilson sind da schon selbstironischer und wissen darum mehr zu gefallen.

Ist "Armageddon" ein schlechter Film? Ich sage, nein. Michael Bay Katastrophenspektakel ist genauso hohl wie rasant, genauso unlogisch wie spannend, genauso pathetisch wie witzig, genauso rührselig wie packend. "Armageddon" ist ein Popcorn-Film durch und durch, dessen einzige Absicht es ist, zu unterhalten (und möglichst viel Kohle einzuspielen). Der Film wird von vielen gehasst und geschasst, und das darf er auch, weil er genügend Angriffsfläche bietet (Hurra-Patriotismus, Logikfreiheit etc.). Aber Bay versteht es auch den Zuschauer zu fesseln und mehr als zwei Stunden, die nun wirklich im Fluge vergehen, vor dem Film zu bannen.

Fazit: Bevor man sich den Film gibt, sollte man vielleicht die Regel Nummer Eins des Hollywood-Blockbuster-Kinos befolgen, und sein Gehirn auf Durchzug stellen. Denn dann wird man vortrefflich unterhalten werden. Die Action rockt, die Spannung ist konstant hoch und der Witz stimmt. Wenn man danach sein Hirn wieder hochfährt, wird man sich an den Unsinn, den man gerade gesehen hat, sowieso nicht mehr erinnern.

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