„Get Carter“ ist das US-Remake des britischen Kult-Thrillers von 1971, Hauptdarsteller ist Sylvester Stallone, für den die Rolle des wortkargen Racheengels wie maßgeschneidert ist. Doch trotz eines coolen Stallone ging der Film am US-Boxoffice gnadenlos unter, auch auf Grund der mauen Kritiken. Doch der Film ist weit besser als sein Ruf.
Sylvester Stallone spielt den Geldeintreiber Jack Carter, dessen Bruder bei einem Autounfall in Seattle ums Leben kam. Carter fährt zur Beerdigung und stellt Nachforschungen an. Richie’s Tod scheint kein Unfall gewesen zu sein ...
Das Remake hat einige Storyänderungen im Gegensatz zum Original. Der Film ist durchweg spannend und hat zahlreiche schlaue Wendungen. Allerdings hab ich nicht komplett durchgeblickt, wer mit wem unter einer Decke steckte oder warum Richie’s Chef mitbeteiligt war. So bleiben am Ende leider einige Fragen offen, z.B. was Carter mit Cyrus Paice gemacht hat, da der seinen Bruder getötet hat. Doch trotz dieser Plotschwächen bzw. Erklärungslücken kann der Film eine immense Spannung aufbauen.
Die Optik von „Get Carter“ ist stylisch, düster und wirklich cool. Die Kamera liefert tolle Bilder, der Schnitt ist rasant und sorgt für Tempo. Dem Zuschauer wird jedoch relativ wenig handfeste Action geboten, außer zwei (toll anzusehenden) Verfolgungsjagden durch Seattle und ein paar Faustkämpfen ist nicht viel los. Langeweile kommt trotzdem nicht auf, da Regisseur Kay die doch recht banale Rache-Story sehr spannend inszeniert hat.
Sly Stallone liefert nach „Copland“ seine beste schauspielerische Leistung der letzten Jahre ab. Er spielt kühl und wortkarg, aber emotional (toll die Abschlussszene am Grab seines Bruders) zugleich. Der Film hat deutlich mehr Tiefgang als man von einem normalen Stallone-Film erwartet, Sly passt perfekt in die Rolle. Der Schwerpunkt liegt nicht auf meterhohen Explosionen und Action, sondern auf den Dialogen. Dies macht den Film zu etwas besonderem in Stallones Filmographie. Überzeugend auch Rachel Leigh Cook als Carter’s Nichte. Zu Mickey Rourke’s Darstellung als durchgeknallter Pornoproduzent muss man eigentlich nicht viel sagen – einfach genial.
Der von Franchise Pictures stammende Film floppte wie viele der letzten Stallone-Filme („Driven“, „D-Tox“, „Avenging Angelo“) gnadenlos am US-Boxoffice. Trotz eines für Hollywood sehr kleinen Budgets von 40 Millionen Dollar spielte der Film nicht einmal die Hälfte seiner Kosten wieder ein. Von nahezu allen Seiten kritisiert, bekam Stallone sogar eine Goldene Himbeere als schlechtester Schauspieler.
Fazit:
Spannender Thriller mit durchweg überzeugenden Darstellern und einer brillanten Optik, der vollkommen zu unrecht zerrissen wurde. Trotz durchschnittlicher Story herrscht durchweg Spannung, die wenigen aber coolen Actionszenen machen „Get Carter“ zu einem rundum gelungenen Remake. Auch wenn einige Fragen im Plot offen bleiben, bietet der Film anspruchsvolle Unterhaltung.
Emotional, düster und cool – 8 / 10 Punkten.