Sein Leben lang hat Jack Carter die Drecksarbeit für andere Leute erledigt: Schulden eintreiben, Rachefeldzüge. Ein Einzelgänger, der Wert darauf legt, Außenseiter zu bleiben. Als sein Bruder Richie bei einem Verkehrsunfall stirbt, kehrt Jack in seine Heimatstadt zurück, um an Richies Familie gutzumachen, was er an seinem Bruder versäumt hat. Doch seine Schwägerin Gloria und Nichte Doreen sind misstrauisch, sie wissen nicht, was sie von seiner plötzlichen Wandlung halten sollen. Als Jack allerdings entdeckt, dass Richie ermordet worden ist, vergisst er seine guten Vorsätze und denkt nur noch an Rache.
"Ich bin Jack Carter und eigentlich willst du mich gar nicht kennenlernen" ist das Credo des abgezokten, aber stets gut gekleidetem Geldeintreibers, das er gerne als Vorstellung von sich gibt, bevor es anschließend meist Haue gibt. Die Story entwickelt sich zu einem interessanten Thriller, bei dem sich nach und nach die wahre Geschichte um den Tod des kleinen Bruders entblätter, auch wenn im Grunde außer Jack niemand die Wahrheit sehen oder wissen will, nicht mal dessen eigene Familie. Klar das hinter dem Unfall mehr steckt als die offizielle Todesursache Alkohol am Steuer und mittels rabiater Methoden findet Carter heraus, das eine ganze Menge Personen mächtig Dreck am Stecken haben.
Get Carter war an den Kinokassen schon nicht allzu beliebt, was ich allerdings schade finde. Die Story ist spannend erzählt und top besetzt. Sly Stallone hat zwar bauch- und gesichtsmäßig ganz schön zugelegt, aber ich mag seinen facettenreichen Charakter, der von harter Selbstjustiz bis hin zum liebevollen Pädagogen reicht und für Stallone eine neue Rolle als böser Guter oder als guter Böses, je nach sichtweise, ist in der er auch mal seine dreckige Seite ausleben darf. Selbiges gilt auch für Mickey Rourke als schleimiger Zuhälter, auch eine sehr interessante Figur. Aus dem Originalfilm der 70er ist auch noch als kleine Hommage Michael Caine mit dabei, das ist schon ein klasse Cast den man hier hat, dazu gibts gratisein paar spaßige One Liner und coole Dialoge.
Etwas kritisieren kann man das Übermaß an verspielter Technik und Kamerafrickeleien des DOP, die eigentlich weder zur Handlung noch überhaupt zur Thematik passen und die sich auf Dauer doch nervig auswirken. Auch die Aktionen und Beziehungen zwischen den vielen Charakteren wirkt etwas unausgereift, wer da immer mit wem Streß hat oder abhängig ist, wird nicht immer deutlich, da hätte man seine Figuren gern ein wenig liebevoller behandeln können. Für ein gewisses Maß an Action werden immerhin noch einige Autoverfolgungsjagden eingebaut, die wiederum sehr aufwendig und professionell wirken. Get Carter ist absolut sehenswert, Stallone spielt eigentlich hier die Rolle, die sonst ein Steven Seagal inne hat. Ruhig und beherrscht bis ins Mark, aber wenn ihm einer dumm kommt auch brutal und rachsüchtig. Mir hats jedenfalls gefallen.
7/10