Review

Matschiges Mordmelodrama


Nachdem „Murder On The Orient Express“ vor ein paar Jahren zum ziemlichen Erfolg (vor allem bei den höheren Altersklassen und in Luxuskinos) wurde, zumindest hübsch aussah, hochkarätig besetzt war und eben die grundsolide Basis des Originals sein Eigen nennen durfte, kommt nun mit „Death On The Nile“ die nächste Neuauflage eines Krimiklassikers von Agatha Christie. Wieder von und mit Tausendsassa Kenneth Branagh. Wieder mit etlichen bekannten Gesichtern und einigen Leichen im Keller. Oder hier eher gesagt in der Gefrierkammer. Denn an Bord eines Luxusdampfers und in den Flitterwochen eines steinreichen und wunderschönen jungen Pärchens tritt das größte Unglück ein - und Meisterdetektiv Hercules Poirot ist mittendrin und versucht die Fäden und vielen Verdächtigen zusammenzubringen…

Die beiden alten Agatha Christie-Filmhits haben audiovisuell zwar deutlich Staub angesetzt, gehören jedoch allein durch ihren Charme, ihre Charaktere und ihr Standing zu zeitlosen Krimiklassikern. Und besonders beim neuen „Death On The Nile“ erkenne ich trotz allem optischen Update leider keinen Mehrwert zu dem legendären Vorbild. Eher in nahezu allen Belangen ein belangloses Downgrade. Sogar optisch muss man dieses CGI-Staffage-Gewitter nicht feiern und kann es sogar ziemlich hässlich finden. Gal Gadot kann man das Attribut sicher nicht in tausend Jahren anhängen, ist sie doch zweifellos eine der schönsten Frauen auf diesem Planeten - doch zu einer überzeugenden Mimin macht sie das (außerhalb von Wonder Woman) eben noch lange nicht. Eher wirkt sie hier wieder mal wie ein Fremdkörper, steifer und unwohler denn je. Dazu erweckt ein Armie Hammer momentan ja leider auch alles andere als Luftsprünge, Branagh überschätzt sich selbst als Regisseur nicht selten und wie gesagt ist das optisch oft böse gesagt nahe Pixelaugenkrebs. Natürlich oder rund wirkt hier fast nichts. Positiv festhalten muss man die doch tiefer als man meinen könnte gehende, meist recht subtile Charakterisierung Poirots, samt einem überraschend gelungenen WWI-Intro in schwarz-weiß. Poirot/Branagh ist und bleibt eben Dreh- und Angelpunkt samt Charisma und Finesse. Und dem coolsten Schnurrbart überhaupt. Plus: die Geschichte als Murder Mystery samt Auflösung hat eben von Haus aus ihre Qualitäten, Auflösungen, Überraschungen und Neugierpunkte, die auch ein viel zu langes und aufgeblähtes Remake zum Glück nie ganz tilgen kann. 

Fazit: noch einen Tick artifizieller, gestelzter, gestreckter und künstlicher als der Vorgänger(-Fall). Poirot bleibt ein charismatischer Wunderermittler. Aber im Ganzen bleibt diese Irrfahrt durch den Nil schon ziemlich blass und ärgerlich egal. Und wenn dann nahezu ohne Hinweise für uns Zuschauer am Ende alles aufgerollt und zusammengesetzt wird, wirkt das eher lächerlich als augenöffnend. 

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