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Kenneth Branagh ist erneut in Sachen Neuaufguss unterwegs und gönnt sich ein weiteres Mal die Figur des belgischen Meisterdetektivs Hercules Poirot. Doch ähnlich wie schon bei „Mord im Orient Express“ mangelt es vor allem an Charme, den Peter Ustinov bei der Verfilmung von 1978 fast im Alleingang einbrachte.

1937: Während der Hochzeitsreise von Linnet (Gal Gadot) und Simon (Armie Hammer) über den Nil befindet sich auch Ermittler Poirot (Branagh) unter den wenigen Gästen. Als Simons ehemalige Geliebte Jackie (Emma Mackey) den frisch Vermählten nachstellt, versucht Poirot zu vermitteln, doch kurz darauf ereignet sich an Bord des Schiffes ein Mord…

Im Grunde ist es ja positiv, dem weltberühmten Schnüffler einen ungeahnten Hintergrund verpassen zu wollen, zumal die Kriegswirren von 1914 vergleichsweise krachend in Szene gesetzt sind. Doch daraus resultiert weder eine tiefer gehende Charakterzeichnung, noch ist sie für den eigentlichen Kriminalfall von Nutzen. Auch eine Szene vor der eigentlichen Kreuzfahrt deutet bereits etwas zuviel an, sie offenbart jedoch ein Faible für eine grundsolide Ausstattung in Sachen Kostüme und Requisiten.

Im Gegenzug zur literarischen Vorlage mischen deutlich weniger Figuren mit, folgerichtig bleibt der Kreis der Verdächtigen ein wenig überschaubarer. Allerdings nimmt die kriminalistische Ausklärungsarbeit erschreckend wenig Raum ein, es gibt nur ein paar Szenarien eines möglichen Tatherganges, was einigermaßen stilvoll in Schwarzweiß mit Colorkey-Technik umgesetzt ist.

An den größtenteils gelungenen Kamerafahrten, dem sauber abgestimmten Score und der Kulisse auf dem Schiff ist wenig auszusetzen, doch einige Hintergründe wirken arg künstlich und zuweilen ist der Greenscreen-Effekt deutlich als solcher auszumachen, vor allem, wenn sich Wolken rein gar nicht fortbewegen.

Mit der Starbesetzung von 1978 vermag die Neufassung ebenfalls nicht mitzuhalten, obgleich sich mit Annette Bening und Tom Bateman noch zwei weitere, einigermaßen bekannte Namen unter der Riege finden. Branagh performt als Poirot solide und er setzt sich folgerichtig oft selbst in Szene, wogegen niemand der übrigen Mimen sonderlich gefordert wird.

Wer die erste Verfilmung und damit die Geschichte des Krimis noch einigermaßen präsent hat, kann von der Neuverfilmung, trotz kleiner Abweichungen zum Roman natürlich nicht mehr sonderlich überrascht werden. Der Weg dorthin gestaltet sich jedoch auch nicht allzu spannend und so plätschert ein Großteil der rund zwei Stunden Laufzeit ohne Höhepunkte vor sich hin.
5 von 10

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