1937: Die wohlhabende Lynnet Ridgeway und ihr frisch angetrauter Ehemann Simon Doyle verbringen ihre Flitterwochen in Ägypten und schippern auf dem Raddampfer "S.S. Karnak" den Nil entlang. Mit an Bord befindet sich neben Lynnets Jugendfreundin Jacqueline de Bellefort, der sie Simon erst wenige Wochen zuvor ausgespannt hatte, dummerweise auch noch so manch anderer Passagier, der auf die junge Frau nicht allzu gut zu sprechen ist. Eines Nachts kommt es zu einem Streit zwischen Simon und der wütenden Jacqueline, die ihrem Ex im Affekt mit ihrer 22er-Pistole eine Kugel ins Bein jagt... und am nächsten Morgen findet man Lynnet tot in ihrer Kabine vor, erschossen mit dem gleichen Kaliber. Die offensichtlich tatverdächtige Jacqueline scheidet als Täterin schnell aus, da sie die ganze Nacht mittels Morphium-Injektion ruhiggestellt gewesen ist. Doch wer ist dann der Mörder? Der Meister-Detektiv Hercule Poirot, der auf Veranlassung seines alten Freundes Bouc ebenfalls ein Gast auf der "S.S. Karnak" ist, beginnt sofort mit seinen Ermittlungen... Scheiss' mir in die Augen, Branagh! Die bereits im 2017er-Vorgänger "Mord im Orient Express" als größtes Manko ausgemachte, extreme Künstlichkeit, die daraus resultiert hat, dass so gut wie alles statt an einem realen Set in irgendwelchen Green-Screen-Studios gedreht und anschließend mit digitalen Hintergründen ausstaffiert wurde, hat sich bei Kenneth Branaghs zweiten Auftritt als Hercule Poirot nochmal geradezu potenziert, denn selbst in den Szenen, die da in den Interieurs des Schiffes spielen, gibt es nun wirklich kaum mehr ein einziges Bild, das tatsächlich "echt" wirkt. Im Gegensatz zu der John Guillermin-Verfilmung mit Peter Ustinov von 1978 hat der nun vorliegende "Tod auf dem Nil" den titelgebenden Fluss noch nicht mal von weitem gesehen und das finale Ergebnis auf der Leinwand ist nun von einer derart sterilen Optik geprägt, dass da doch tatschlich mal eher Erinnerungen an George Lucas' "Star Wars"-Prequels oder sogar Kurt Wimmers "Ultraviolet" hochkommen... nur, dass sich die genannten Filme doch tatsächlich noch darauf rausreden können, zum einen da bereits über 15 Jahre auf dem Buckel gehabt zu haben und zum anderen mehr oder minder stilisierte Science-Fiction-Welten zu präsentieren, zu denen es keine Entsprechungen in der Realität gibt. Folglich sieht Branaghs "Tod auf dem Nil"-Variante einfach nur so richtig beschissen aus und ist sicherlich einer der hässlichsten Filme, die ich je gesehen habe! Hässlich, hässlich, HÄSSLICH! Aber es gibt da echt noch mehr, worüber man sich aufregen kann: Keine einzige Detail-Veränderung, was sowohl den Handlungs-Ablauf als auch die Figuren-Zeichnung anbelangt (inklusive einem erheblich zu diversen Cast für das Spieljahr der Geschichte und dem obligatorischen Lesben-Gedöns, weil ohne geht es heutzutage nicht mehr) sorgt da tatsächlich für einen Mehrwert oder eine Verbesserung gegenüber der Roman-Vorlage oder der Ustinov-Version, während Kenneth Branagh selbst das Ganze wohl wiederum als persönliches Star-Vehikel zu betrachten scheint und sich als Poirot offenbar am liebsten selbst in Szene setzt. Okay, ob es da so vorteilhaft gewesen ist, noch solche Leute wie Armie Hammer und Russell Brand im Cast zu haben, die ihren ganz eigenen Ballast mit an Bord bringen, sei mal dahingestellt. Am kuriosesten an der ganzen Angelegenheit ist aber, dass Hercule Poirots... öhm... brobdingnagischer Riesen-Schäuzer, der einem in "Mord im Orient Express" so hart ins Auge gestochen ist, hier tatsächlich seine eigene Origin-Story spendiert bekommt, wobei man sich die nach dem Vorgänger geäußerte Kritik bezüglich der übertrieben dimensionierten Schenkelbürste wohl zu Herzen genommen und das Ding dieses Mal auf eine Nummer kleiner zurechtgestutzt hat. Allenfalls, es hat nichts genützt: Der 2022er-"Tod auf dem Nil" ist nur heftigster Hollywood-Müll und ein Beweis dafür, dass das gute, alte Star-Kino mausetot ist.
3/10