Review

Eigentlich war der spanische Regisseur Daniel Calparsoro schon gut im Genre des Krimis/Thrillers angekommen und lieferte mit „Die Warnung“ und „Jeder gegen Jeden“ zwei respektable Werke ab. Mit Hasta el cielo“, was grob übersetzt „Hoch im Himmel“ bedeutet, widmet er sich eher einer Milieustudie denn packender Action.

Ángel ist ein einfacher, junger Arbeiter, der am Rande von Madrid sein Geld in einer Autowerkstatt verdient. Über den Kleinkriminellen Poli lernt er seine Herzensdame Estrella kennen, die jedoch mit eben jenem Poli liiert ist. Nach einem recht spontanen Coup, bei dem Poli, Ángel und einige Gehilfen einen Juwelier ausrauben, findet Ángel Gefallen am schnellen Geld und beschließt, rasch in der Hierarchie der Kriminellen aufzusteigen. Dafür macht er sich an die Tochter des lokalen Paten heran…

Im Hinblick auf die Randgebiete von Madrid ist durchaus ein wenig Gesellschaftskritik wahrzunehmen, denn für einige Jugendliche scheint die kriminelle Laufbahn der vermeintlich einzige Ausweg aus dem tristen Alltag zu sein. Einmal am Rande eines Hochhauses stehen und die Menschen sich wie Ameisen bewegen zu sehen äußert Ángel recht früh als Wunsch, wodurch sich auch der Titel erklärt. Dabei ging es der Hauptfigur anfangs nur um das Interesse eines Mädchens und bis zu einem bestimmten Zeitpunkt vermag er damit einige Sympathiepunkte zu sammeln.

Diese verschwinden jedoch zusehends. Zumal sich nicht erschließt, warum Ángel immer arroganter wirkt, sich maßlos überschätzt und als Späteinsteiger dennoch stets den Durchblick zu behalten scheint. Viermal verweilt er kurz im Knast, die Polizei kann ihm aufgrund einer windigen Anwältin nichts nachweisen und das Heranpirschen an den Mächtigsten der Gegend verläuft ohne Komplikationen, ist allerdings von zahlreichen Klischees umgeben. Dabei treten die Verbrechen im Einzelnen beinahe in den Hintergrund.

Problematisch sind hingegen einige Zeitsprünge, welche mit einigen Entwicklungen einhergehen, die nicht näher erläutert werden. Teilweise wirkt der Stoff wie der arg gekürzte Pilotfilm für eine Krimiserie, dessen Fragen erst mit der Zeit geklärt werden, - die hier jedoch offen im Raum stehen bleiben. Dazu passt auch das viel zu abrupte Ende, welches beileibe nicht die anberaumte, emotionale Wirkung hat, weil die Bindung zu den Figuren im Verlauf immer mehr verloren geht.

So funktioniert die Erzählung weder als Coming-of-Age mit Fokus auf eine Dreiecksgeschichte, noch als Gangsterdrama, weil es hierfür an Dynamik und spannenden Entwicklungen fehlt, obgleich der Raub auf einem Schiff durchaus ein paar unterhaltsame Abläufe zutage fördert.
Den passablen Mimen und dem routinierten Handwerk ist bei alledem nicht viel anzukreiden, vielmehr ist es die holprige Erzählweise, der Mangel an Actioneinlagen und der ausbleibende Nervenkitzel, der die 121 Minuten von „Hasta el ciego“ letztlich recht beliebig und austauschbar erscheinen lässt.
5,5 von 10

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