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Zwischen Folk-Horror und modernem Fluch-Grusel ist der Beitrag des indonesischen Autors und Regisseur Joko Anwar angesiedelt, der bereits 2012 mit „Modus Anomali“ ein wenig Aufmerksamkeit erregen konnte. Die teils einnehmende Atmosphäre steht dabei leider im Kontrast zur wenig originellen Geschichte.

Als Maya während ihres Nachtdienstes angegriffen wird, hinterlässt der Täter eine Botschaft. Bei einem großen Haus in einem abgelegenen Dorf könnte es sich um ihr Elternhaus handeln. Um ihren Wurzeln auf die Spur zu kommen reist sie mit ihrer Freundin Dini dorthin, doch die Einheimischen verhalten sich komplett anders als erwartet…

Bereits der Einstieg an einer nächtlichen Mautstation erzeugt eine klaustrophobische Stimmung und sorgt gleichermaßen für eine gute Portion Nervenkitzel. Auch der Weg ins Dorf mit einer Pferdekutsche wirkt wie der Übergang in eine Parallelwelt, in der es allerdings weitgehend düster und geheimnisvoll zugeht.

Zumindest im ersten Akt, als die jungen Damen erste Kontakte knüpfen und sogleich das seit 20 Jahren verwaiste Haus beziehen. Immer wieder sind die Kulissen von Nebel erfüllt, ein besonderes Augenmerk liegt auf Schattenspielen (und Schattentheater) und auf eine auffällig hohe Anzahl anstehender Geburten.
Zwar geben die Figurenzeichnungen der jungen Damen nicht allzu viel her, doch in einer derartigen Isolation reichen diese zum Mitfiebern aus.

Allerdings fallen diverse Hinweise etwas zu überdeutlich aus, als immer wieder drei Mädchen auftauchen, ein Gang über den hiesigen Friedhof bereits sichere Erkenntnisse bringt und regelmäßig Rituale stattfinden. Im letzten Drittel gerät das Treiben ein wenig blutig und es werden Ansätze von Body Horror eingebunden, doch zeitgleich taucht man mithilfe eines ausgedehnten Flashbacks etwas zu ausladend in einen familiären Hintergrund ein, der wenige neue Erkenntnisse hervorbringt.

Was die Erzählung bei Laune hält, ist neben der stimmigen Atmosphäre das Sounddesign, welches eine gewisse Dringlichkeit erzeugt, wodurch auch die wenigen Schockmomente recht gut zur Geltung kommen. Zudem performen die Darsteller im Schnitt recht angenehm bodenständig, nur im finalen Akt wird etwas zu ausgiebig geheult.

Ein Fluch, mehrere Puppenspieler und ein paar düstere Geheimnisse: Joko Anwar ist handwerklich wenig anzukreiden, doch seine Erzählung mäandert phasenweise etwas herum, während der Showdown kaum Überraschungen birgt. Die Stimmung zieht mehr in ihren Bann als der Inhalt.
6 von 10



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