Review
von Leimbacher-Mario
Blues, Booze, Bühnenstück
Wenn „21 Bridges“ Chadwick Bosemans Action-Tschüss war, dann ist die hochwertige Netflix-Theaterverfilmung „Ma Rainey's Black Bottom“ sein allgemeiner Abgesang als Schauspieler und, man kann das wohl schon sagen, moderne Legende. Und was für ein spektakulärer Schlusspunkt für den König von Wakanda... Allein sein Auftritt ist jeden Hype und jeden Zuschauer wert. Er holt hier nochmal alles raus und spielt phasenweise um sein Leben. Wortwörtlich und in vielerlei Hinsicht. Das verschlägt einem den Atem. Das muss man schlicht sehen. Aber auch ansonsten hat dieses soulige Kammerspiel Relevanz, Brisanz und Eleganz en masse.
Erzählt wird von einem heissen Nachmittag in einem Tonstudio im Chicago der 1920er. Dort wartet eine Band auf die Ankunft der titelgebenden „Mutter des Blues“. Doch während die Musiklegende auf sich warten lässt und die Temperaturen weiter steigen, brodeln einige Konflikte und Geschichten unter den Musikern ebenfalls ein wenig unter der schwungvollen Oberfläche... Dass „Ma Rainey's Black Bottom“ auf einem Theaterstück basiert, kann und will es gar nicht verleugnen. Eine allzu filmische Dynamik kommt selten auf. Das erinnert etwas an „Fences“, was aber natürlich kein Vergleich ist, den man meiden will. Exzellent sieht das „Stück“ außerdem dennoch aus und zudem trägt es so dazu bei, dass man sich ganz auf die Figuren, die schwitzige Atmosphäre, die untergründigen (schwarzen) Gefühle, Probleme + Themen konzentriert. Und natürlich auf die wirklich abliefernden Darsteller. Denn auch eine Viola Davis spielt hier (wäre Boseman nicht all in) alle an die Wand. Auch Look und Make-Up sind oscarreif. Die Musik ist natürlich on point und ein weiteres Highlight. Die Laufzeit ist knapp und konzentriert gehalten. Und alles sprudelt vor Seele und „schwarzer Magie“. Ein rundum gelungener Film. Und Boseman ist das i-Tüpfelchen in Form eines Ausrufezeichens.
Fazit: Boseman wird einen Oscar gewinnen. In seine Performance hat er nochmal A-L-L-E-S gelegt. Muss man sehen. Und traurig sein, dass der Mann nicht mehr da ist... Aber auch ansonsten ist „Ma Rainey's Black Bottom“ ein filmischer Song voller schwarzer Seele und amerikanischem Schwung. Wenn auch eher Theaterstück als Kino. Pralles Prestigeprojekt. Außerordentlicher „Oscarbait“. Afroamerikanische Geschichte.