Basierend auf dem gleichnamigen Theaterstück dreht sich „Ma Rainey's Black Bottom“ um einen Nachmittag im heißen Chicago des Jahres 1927. Die dort geplanten Plattenaufnahmen mit der „Mother of the Blues“ und einer zusammengestellten Begleitband entwickeln sich zu einem Ausbruch zwischen persönlicher Freiheit, Integrität und dem scheinbar immerwährenden Kampf der afroamerikanischen Einwohner.
Die Herkunft aus dem Theatersaal merkt man dem Film jederzeit an, doch gereicht ihm das nicht zum Nachteil. Das in warme Farben getauchte Kammerspiel bezieht gerade durch diese sowohl räumliche als auch erzählerische Kompaktheit seine Stärke. Die Themen waren und sind aktuell, das Verhältnis zwischen manchen Bevölkerungsteilen scheint sich nicht tiefgreifend geändert zu haben seit nun fast einem Jahrhundert. Zumindest konnte man in den letzten Jahren sich die Gräben wieder vertiefen sehen.
Passend zum Bühnenursprung inszeniert Regisseur George C. Wolfe den Film sehr dialoglastig und die gesprochenen Worte fliegen einem mitunter um die Ohren. Nicht jede Zeile der vielen Geschichten, die aus den Charakteren hervorbrechen, ist dabei so mitreißend wie es wohl geplant war, doch bleibt es dem formidablen Ensemble vorbehalten, eine sehenswerte Schau zu bieten. Chadwick Boseman in seiner letzten Rolle zieht dabei bisweilen etwas arg vom Leder, bietet aber eine sehenswerte Leistung. Sein Levee droht zwischen Unsicherheit und Ehrgeiz zu zerreißen. Dem entgegen steht die trotzige und mit eisernem Willen auftretende Titelfigur, verkörpert von einer dauerschwitzenden Viola Davis.
Beide taugen nicht unbedingt als Sympathieträger, müssen sie aber auch nicht. Gleichsam wie die restlichen Bandmusiker hadern die Figuren mit dem status quo, der aus Rassismus und Benachteiligung besteht; jeder auf seine Weise. Oder auf ihre. Und die unterschiedlichen Charaktere treten diesem Zustand auf unterschiedliche Weise entgegen, je nach Lebenserfahrung und Temperament, woraus sich durchaus vielschichtige Verhaltensmuster ergeben. Jedoch bleibt diese Charakterisierung episodisch. So wird zwar versucht, jeder Figur ihren Auftritt zu geben, letztlich dreht es sich aber nur um Levee und Ma. Der Rest kann sich in dieses Gefüge nicht prägend einbringen.
Und so sehr das dauernde Auflehnen, emotionale Hochkochen und divenhafte Verhalten der Figuren aufgrund des Hintergrunds nachvollziehbar ist, so nutzt es sich über die Dauer des Films ab und ist szenenweise anstrengend.
Trotzdem bleibt „Ma Rainey's Black Bottom“ einen Blick wert, ein gesellschaftskritisches Drama mit immer noch aktueller Thematik und einem guten Cast. Die Ausstattung ist zwar gelungen, wirkt aber mehr wie gehobenes TV-Niveau, was nicht despektierlich gemeint ist und auch hier sei wieder auf die Vorlage verwiesen. Musikalisch gibt es erwartbar ein paar Bluesnummern, doch steht die Musik nicht im Mittelpunkt. Es ist in mehrerlei Hinsicht ein schwarz-weißes Amerika, das in den knapp über 90 Minuten Laufzeit seziert und angeklagt wird. Eigentlich wie heute. Nur damals.