Review

iHaveCNit: Ein Nasser Hund (2021) – Damir Lukacevic – Warner
Deutscher Kinostart: 09.09.2021
gesehen am 19.09.2021
Arthouse-Kinos Frankfurt – Kleine Harmonie – Reihe 1 Platz 90 – 20:15 Uhr

Aus den Kinostarts des 09.09.2021 habe ich mich auch noch für einen deutschen Genrebeitrag entschieden, der auch sehr sehenswert gewesen ist. Inspiriert durch das Buch „Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“ des jüdischstämmigen Schriftstellers Arye Sharuz Shalikar und dessen persönlichen Erfahrungen hat Regisseur Damir Lukacevic eine authentische Charakter- und Milieustudie in Form eines Coming-Of-Age-Films geschaffen.

Der junge Iraner Soheil zieht mit seinen Eltern von Göttingen nach Berlin-Wedding. Relativ schnell findet er Anschluss im Freundeskreis des Türken Husseyn und auch mit der Mitschülerin Selma scheint er schnell eine gute Beziehung aufzubauen. Doch inmitten seines muslimischen Umfelds muss der sakulär lebende Jude seine Herkunft leugnen und verheimlichen, damit es zu keinen Konflikten kommt. Als es doch passiert und er selbst mit seiner Identität zu kämpfen hat, scheinen die Konflikte in seinem Umfeld endlos.

„Ein Nasser Hund“ verlegt so wie ich gesehen habe die Handlung des Buchs von den 90ern in unsere aktuelle Gegenwart, da die Probleme und Konflikte zwischen Muslimen und Juden quasi zeitlos und immer noch aktuell sind – genau wie ein grundsätzlich damit verbundener Antisemitismus und Rassismus. Der Film ist sehr authentisch inszeniert, erzählt und gespielt worden. Hier machen vor allem das Trio um Doguhan Kabadayi, Derya Dilber und Mohammad Eliraqui einen unfassbar tollen Job indem sie nicht nur die vielschichtigen Figuren selbst sondern auch die durchaus komplexen und vielschichtigen Beziehungen untereinander großartig spielen und dabei stets glaubwürdig sind – genau wie die Entwicklungen innerhalb des Films sowohl dahingehend als die damit entstehenden Konflikte, Probleme und Herausforderungen. Die Themen, die der Film hier anreißt bezüglich Identität, Rassismus, Antisemitismus, Ausgrenzung, Liebe, Freundschaft, Brüderlichkeit sind natürlich in ihrer Masse unfassbar groß für eine Lauflänge von 100 Minuten, aber der Film schafft wenn auch leicht oberflächlich diese Themen toll zu verdichten. Darüber hinaus liefert der Film auch zum Teil gut choreographierte Actionsequenzen, die von einer hektischen, unruhigen Wackelkamera aufgenommen worden sind. Im Film haben mir dann auch noch vor allem Kida Ramadan als Vater von Soheil gefallen.

„Ein Nasser Hund“ - My First Look – 8/10 Punkte.

Details
Ähnliche Filme