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Im Oktober 1941 müssen die 3.500 Kadetten der Podolsker Artillerie- und Infanterieschule verfrüht an die Front, um die auf Moskau marschierende Wehrmacht der Nazis aufzuhalten. Sie sollen 5 Tage durchhalten, bis die Verstärkung kommt. Doch die verspätet sich.


Russische Kriegsfilme sind aktuell eigentlich nicht so erstrebenswert zu schauen, aber dieser hier entstand bereits 2020 und behandelt tatsächlich stattgefundene Ereignisse. Und das richtig gut und mit großem, fast monumentalem Aufwand.

Der Film wurde in einem eigens dafür errichteten Filmkomplex gedreht, in dem ein Dorf nachgebaut, Bunker ausgehoben, ein Fluss angelegt und mit Wasser gefüllt sowie ein Teil einer Autobahn künstlich aufgeschüttet wurden. Historiker sorgten für größtmögliche Authentizität der Darstellung, bis hin zur Rekonstruktion der Anzahl von Panzern und Flugzeugen. So ist beispielsweise einer der Protagonisten mit einer Thompson-Maschinenpistole bewaffnet, da eine solche Waffe bei Ausgrabungen vor Ort gefunden wurde.

Und das Ergebnis ist insgesamt schon beeindruckend. Soweit man das bei einem Kriegsfilm sagen kann, ein optischer Leckerbissen. Das sieht alles verdammt gut aus. Die Explosionen haben es in sich, scheinen nicht aus dem Computer zu stammen, CGI wurde eh spärlich eingesetzt, und es explodiert wirklich ein Menge.

Neben den eigentlichen Kriegshandlungen, die mit Wucht und Härte inszeniert sind, gibt es noch eine kleine, tragische Liebesgeschichte um die drei Hauptfiguren Masha, ihren besten Freund Mitja und dessen bestem Freund Sascha. Speziell diese drei hauchen ihren Figuren ganz viel Leben und Tiefe ein. Mashas Gefühle wirken zu jeder Zeit absolut echt. Und beim Prague Independent Film Festival 2021 erhielt Sergey Bezrukov den Preis als bester Hauptdarsteller (Sascha).

Dass der Film so gut gemacht ist, mit dynamischer, stets beweglicher, aber nicht wackelnder Kamera und toller Musikuntermalung, hält den Film am Laufen, denn richtig packend wird erst die letzte halbe Stunde mit den individuellen kleinen Einzelschicksalen. Das packt dann auch auf emotionaler Ebene.

Obwohl es natürlich interessant ist, solche Kriegsereignisse mal nicht aus deutscher oder vor allem amerikanischer Sicht zu sehen, wird hier genauso mit Pathos herumgeworfen, wie es zumeist in US-Filmen geschieht. Die Deutschen Truppen erhalten hier auch keine Gesichter, Namen oder Charakterisierung. Sie werden auch nicht mehr als nötig dämonisiert, sind aber doch nur eine tödliche Bedrohung im Hintergrund, die selten nah an die Kamera herankommt und wenn dann mit Schals maskiert sind.


Insgesamt ein guter, sehenswerter Film mit viel sauber inszenierter Kriegsaction, historisch anscheinend sehr korrekt. Die Protagonisten sind sympathisch, manche Schicksale ergreifend. Lohnt sich durchaus.

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