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Wenn auch Mitte der Achtziger noch an der Tagesordnung der amerikanischen Filmlandschaft, so vertritt „Iron Eagle“ eine in höchstem Maße fragwürdige Ideologie, die nicht ganz uneigennützig seinerzeit wohl auch von der Regierung mit unterstützt wurde. Um nicht gegen den zwar inhaltlich ebenso diskussionswürdigen, dafür technisch wesentlich versierteren „Top Gun“ im direkten Vergleich an den Kinokassen unterzugehen, zog TriStar Pictures den Film seinerzeit einige Monate vor. Aus gutem Grund, denn gegen das Cruise-Vehikel hat „Iron Eagle“, der nie das Zeug zu einer eigenen Franchise besaß, gar nichts zu vermelden.

Sidney J. Furie („Superman IV: The Quest for Peace”, „Direct Action“), später ausgewiesener Experte von qualitativ oft überdurchschnittlicher B-Movies, schickt in seinem vielleicht bekanntesten Film mit Doug Masters (Jason Gedrick, „The Zoo Gang“, „The Heavenly Kid“) einen Jugendlichen auf eine Mission, mit dem sich zumindest ein Großteil der männlichen, jungen Amerikaner damals leicht identifizieren konnte. Zu enge Jeans, ein latent rebellisches Verhalten (gegen die Verkehrsordnung), eine Vorliebe für Eighties-Mucke, genug heißes Blut, um den Nebenbuhler zu schlagen und zudem eine undefinierte Zukunft sind sein Markenzeichen. Nun beschließt ausgerechnet dieser Junge, als Sohn eines abgeschossenen Air Force-Piloten, seinen Vater mithilfe seiner Kumpel und dem Veteranen Chappy Sinclair (Louis Gossett Jr., „An Officer and a Gentleman“, „Jaws 3-D“) seinen Herrn Papa aus der Gefangenschaft eines Beduinenstaats zu befreien. Hört man darauf bald solche Sätze wie „Das war noch was anderes. Da hatte Schlaffi Carter noch das Sagen. Aber jetzt sitzt Sheriff Reagan im Weißen Haus. Der schiebt den Schmalspurdiktatoren ihre eigenen Raketen in den Arsch.“, kann man sich unschwer denken, wohin das führen wird.

„Iron Eagle“ ist nicht nur bedenklich, sondern in vielerlei Hinsicht auch sehr rassistisch. Nicht nur die Aussagen der Militärs, die Diplomatie schon mal als Schmarren abtun und den Zwergenstaat als grundsätzlich verbrecherisch hinstellen, sondern auch die Kommentare der vermeintlichen Helden spiegeln diese gefährliche Tendenz wieder. Die meterhoch aufgetürmten Klischees auf Seiten des Gegners, der die „amerikanische Arroganz“ satt hat und den „westlichen Imperialismus“ bekämpfen will sind da nur hilfreich.

Wäre an sich alles nicht so schlimm, wenn der Film denn in ausreichendem Maße Action zu bieten hätte. Doch in dieser Hinsicht schaut es reichlich mau aus. Abgesehen von einem katastrophal unflüssigen Luftkampf zu Beginn und einem soweit befriedigenden Wettrennen zwischen Motorrad und Kleinflugzeug gibt es da nur einen ausufernden Endkampf mit pyrotechnisch beeindruckenden Auswüchsen, exzessiven, wenn auch nicht brillant inszenierten Luftkämpfen gegen feindliche MIGs mit allem was dazu gehört: Raketeneinsatz, Ausweichmanövern, Loopings und großflächige Zerstörung von Bodeneinheiten. Schade, dass dabei immer nur, und das ist offensichtlich, stehende Flugzeugmodelle explodieren.

Zwischendurch herrscht oft Kitsch und zwar pur. Kaum zu ertragende Dialoge zwischen Mutter und Sohn, die ihm steckt, dass der Ernährer irgendwo abgeschmiert ist, sind dabei der unrühmliche Höhepunkt. Viel vermag aus diesem Grund auch nicht mehr die inzwischen, nach knapp 20 Jahren, einen Nostalgie-Bonus einbringende Old-School-Inszenierung in Verbund mit der heute freilich nicht mehr zeitgemäßen Musik gut zu machen.

Die ganze Vorbereitung des indiskutabel unglaubwürdigen Unternehmens, das erst durch die eifrige Mitarbeit des jugendlichen Freudekreises, der bereitwillig innerhalb der Basis alles so manipuliert und beschafft, dass zwei bis an die Zähne bewaffnete F-16, inklusive Auftankprozeduren über dem Ozean mal eben nach Nordafrika düsen, um Papa Masters von der Landebahn zu kratzen, fallen angesichts der sonstigen Mankos schon gar nicht mehr so schrecklich negativ zu Buche. Auch völlig inkohärente Handlungssprünge, bei denen der Sohnemann die Sorge um seinen Vater unbetrübt abzuschalten scheint, um eine Runde im Flugsimulator zu drehen oder Späße mit seinen Kumpels zu treiben, erhöhen das verständnislose Stirnrunzeln auf Zuschauerseite.


Fazit:
„Iron Eagle“ hat zwar ein prima inszeniertes Ende zu bieten, doch im Vordergrund reagieren so heftig die Klischees und politisch einfach unübersehbar reaktionäre Tendenzen, dass der Film selbst als Produkt der Achtziger einen schweren Stand hat. Da mangelt es einfach an Schauwerten, um nur ansatzweise wesentlich hochwertigeren Verwandten wie „Top Gun“ die Stirn bieten zu können. Wahrlich kein Original, das drei Fortsetzungen nötig gehabt hätte.

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